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	<title>Comments on: Bob Dylans Charisma</title>
	<link>http://blog.my-skills.com/2007/02/26/bob-dylans-charisma.html</link>
	<description>Kommunikation im Business</description>
	<pubDate>Fri, 05 Dec 2008 09:41:35 +0000</pubDate>
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		<title>By: Sven Rasch</title>
		<link>http://blog.my-skills.com/2007/02/26/bob-dylans-charisma.html#comment-122</link>
		<dc:creator>Sven Rasch</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Mar 2007 09:37:42 +0000</pubDate>
		<guid>http://blog.my-skills.com/2007/02/26/bob-dylans-charisma.html#comment-122</guid>
		<description>Lieber Jens,

zunächst wieder meinen besten Dank dafür, dass Sie die Chuzpe haben, in einem dezidierten Business-Blog eher abseitige Themen wie heute die charismatischen Grundlagen des Rock'n'Roll und Pop zu behandeln. Es freut mich, dass auf diesen Seiten aus den "Chronicles" zitiert wird, die ich selbst nicht wirklich lesen möchte, das erspart mir manche Mühe, und die paar Zitate sind mir wirklich schon genug! 

Beim Thema "Charisma" komme ich nicht um eine prägende Erinnerung aus meiner Studienzeit an der Universität Heidelberg herum, die ich hier gerne wiedergeben möchte: Im Sommersemester 2001 (ungefähr) besuchte ich freiwillig, d.h. ohne den "Schein" zu benötigen, ein Hauptseminar am Soziologischen Institut zum Thema "Herrschaftssoziologie". Als Nichtsoziologe hatte ich so meine Schwierigkeiten, dem Stoff zu folgen und stellte bald fest, dass es lustiger sein würde, mich auf das zu konzentrieren, was eigentlich nebensächlich war (oder schien?), zum Beispiel auf die Frage der 'Kleiderordnung': Mir fiel nämlich hier zum ersten Mal auf, und ich habe meine diesbezüglichen Studien in der Folgezeit intensiviert, dass alle Soziologen (und damit meine ich wirklich alle!) schwarze Pullover, dazu dunkle Hosen und (bei entsprechend hohen akademischen Graden) zusätzlich dunkle Sakkos / Kostüme trugen (während alle Juristen einen Halsschal trugen und alle Musikwissenschaftler geringelte Socken) ... 

Weiterhin bemerkte ich an meinem Dozenten, Herrn Dr. Maurizio Bach (heute Soziologie-Professor in Passau), einen erstaunlichen rhetorischen Kniff, der in einer dreifachen Bejahung mit anschließender dreifacher Verneinung (oder umgekehrt) bestand; wann immer ein Student oder eine Studentin das Wort erhob, um Verständnis oder Mißverständnis der Weber'schen Thesen bzw. 'Meinung' zum Ausdruck zu bringen, antwortete Dr. Bach zunächst mit: "Ja, ja, ja! ... Nein, nein, nein!" (oder mit: "Nein, nein, nein! ... Ja, ja, ja!"). Das war sehr beeindruckend, weil man sich zugleich vollkommen verstanden und unverstanden fühlen konnte, bestätigt und widerlegt, gleichzeitig im richtigen und im "falschen Film" (wie man damals sagte), wenn nicht gar zugleich - und ganz im Widerspruch zum Adorno'schen (und jetzt auch Kummermehr'schen) Diktum - im "wahren" ("echten", "authentischen" ) und im "falschen" Leben (respektive: "Komödiantenstadl")!

Besagter Dozent Bach jedenfalls lehrte uns etwas, das mich an dieser Stelle nolens volens zum advocatus diaboli der Frau Gloria Beck macht, die zumindest in einem Punkt dem 'Phänomen' und "schillernden Begriff" (Gerald Petersen) des Charismas näher zu kommen scheint, als es Ihnen, lieber Jens, in Ihrem Beitrag - jedenfalls nach meiner Lesart - gelungen ist: Indem sie nämlich darauf hinweist, dass "Charisma" in erster und wesentlicher Hinsicht eine ZUGESCHRIEBENE Eigenschaft ist, also v.a. einen sozialen Zusammenhang bezeichnet und nicht eine persönliche Qualität; zumindest lässt sich diese Qualität (so Weber, wie wir gleich sehen werden) nicht leichthin objektivieren und damit gleichsam 'vermarktbar' und ohne weiteres 'trainierbar' machen. Obacht also: Wer ein "Charisma"-Seminar buchen will, sollte sich genau informieren, auf welche Scharlatanerie er sich da einlässt!

"»Charisma« soll eine als außeralltäglich [...] geltende Qualität einer Persönlichkeit heißen, um derentwillen sie als mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen, nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften oder als gottgesandt oder als vorbildlich und deshalb als »Führer« GEWERTET [meine Hervorhebung] wird. Wie die betreffende Qualität von irgendeinem ethischen, ästhetischen oder sonstigen Standpunkt aus »objektiv« richtig zu bewerten sein würde, ist natürlich dabei begrifflich völlig gleichgültig: darauf allein, wie sie tatsächlich von den charismatisch Beherrschten, den »Anhängern«, BEWERTET [meine Hervorhebung] wird, kommt es an."

Und dann erfahren wir auch noch, dass "Charisma" und Wirtschaft sich nicht wirklich gut vertragen. seien Sie also doppelt gewarnt:

"Reines Charisma ist spezifisch wirtschaftsfremd. Es konstituiert, wo es auftritt, einen »Beruf« im emphatischen Sinn des Worts: als »Sendung« oder innere »Aufgabe«. Es verschmäht und verwirft, im reinen Typus, die ökonomische Verwertung der Gnadengaben als Einkommensquelle, – was freilich oft mehr Anforderung als Tatsache bleibt. Nicht etwa, daß das Charisma immer auf Besitz und Erwerb verzichtete, wie das unter Umständen (s. gleich) Propheten und ihre Jünger tun. Der Kriegsheld und seine Gefolgschaft suchen Beute, der plebiszitäre Herrscher oder charismatische Parteiführer materielle Mittel ihrer Macht, der erstere außerdem: materiellen Glanz seiner Herrschaft zur Festigung seines Herrenprestiges. Was sie alle verschmähen – solange der genuin charismatische Typus besteht – ist: die traditionale oder rationale Alltagswirtschaft, die Erzielung von regulären »Einnahmen« durch eine darauf gerichtete kontinuierliche wirtschaftliche Tätigkeit. Mäzenatische – großmäzenatische (Schenkung, Stiftung, Bestechung, Großtrinkgelder) – oder: bettelmäßige Versorgung auf der einen, Beute, gewaltsame oder (formal) friedliche Erpressung auf der anderen Seite sind die typischen Formen der charismatischen Bedarfsdeckung. Sie ist, von einer rationalen Wirtschaft her gesehen, eine typische Macht der »Unwirtschaftlichkeit«. Denn sie lehnt jede Verflechtung in den Alltag ab. Sie kann nur, in voller innerer Indifferenz, unsteten Gelegenheitserwerb sozusagen »mitnehmen«. »Rentnertum« als Form der Wirtschaftsenthobenheit kann – für manche Arten – die wirtschaftliche Grundlage charismatischer Existenzen sein. Aber für die normalen charismatischen »Revolutionäre« pflegt das nicht zu gelten."
 
Quelle: Max Weber (1922): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, Erster Teil: Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte, Kapitel III. Die Typen der Herrschaft, § 10. Merkmale der charismatischen Herrschaft
http://www.textlog.de/7415.html</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Jens,</p>
<p>zunächst wieder meinen besten Dank dafür, dass Sie die Chuzpe haben, in einem dezidierten Business-Blog eher abseitige Themen wie heute die charismatischen Grundlagen des Rock&#8217;n'Roll und Pop zu behandeln. Es freut mich, dass auf diesen Seiten aus den &#8220;Chronicles&#8221; zitiert wird, die ich selbst nicht wirklich lesen möchte, das erspart mir manche Mühe, und die paar Zitate sind mir wirklich schon genug! </p>
<p>Beim Thema &#8220;Charisma&#8221; komme ich nicht um eine prägende Erinnerung aus meiner Studienzeit an der Universität Heidelberg herum, die ich hier gerne wiedergeben möchte: Im Sommersemester 2001 (ungefähr) besuchte ich freiwillig, d.h. ohne den &#8220;Schein&#8221; zu benötigen, ein Hauptseminar am Soziologischen Institut zum Thema &#8220;Herrschaftssoziologie&#8221;. Als Nichtsoziologe hatte ich so meine Schwierigkeiten, dem Stoff zu folgen und stellte bald fest, dass es lustiger sein würde, mich auf das zu konzentrieren, was eigentlich nebensächlich war (oder schien?), zum Beispiel auf die Frage der &#8216;Kleiderordnung&#8217;: Mir fiel nämlich hier zum ersten Mal auf, und ich habe meine diesbezüglichen Studien in der Folgezeit intensiviert, dass alle Soziologen (und damit meine ich wirklich alle!) schwarze Pullover, dazu dunkle Hosen und (bei entsprechend hohen akademischen Graden) zusätzlich dunkle Sakkos / Kostüme trugen (während alle Juristen einen Halsschal trugen und alle Musikwissenschaftler geringelte Socken) &#8230; </p>
<p>Weiterhin bemerkte ich an meinem Dozenten, Herrn Dr. Maurizio Bach (heute Soziologie-Professor in Passau), einen erstaunlichen rhetorischen Kniff, der in einer dreifachen Bejahung mit anschließender dreifacher Verneinung (oder umgekehrt) bestand; wann immer ein Student oder eine Studentin das Wort erhob, um Verständnis oder Mißverständnis der Weber&#8217;schen Thesen bzw. &#8216;Meinung&#8217; zum Ausdruck zu bringen, antwortete Dr. Bach zunächst mit: &#8220;Ja, ja, ja! &#8230; Nein, nein, nein!&#8221; (oder mit: &#8220;Nein, nein, nein! &#8230; Ja, ja, ja!&#8221;). Das war sehr beeindruckend, weil man sich zugleich vollkommen verstanden und unverstanden fühlen konnte, bestätigt und widerlegt, gleichzeitig im richtigen und im &#8220;falschen Film&#8221; (wie man damals sagte), wenn nicht gar zugleich - und ganz im Widerspruch zum Adorno&#8217;schen (und jetzt auch Kummermehr&#8217;schen) Diktum - im &#8220;wahren&#8221; (&#8221;echten&#8221;, &#8220;authentischen&#8221; ) und im &#8220;falschen&#8221; Leben (respektive: &#8220;Komödiantenstadl&#8221;)!</p>
<p>Besagter Dozent Bach jedenfalls lehrte uns etwas, das mich an dieser Stelle nolens volens zum advocatus diaboli der Frau Gloria Beck macht, die zumindest in einem Punkt dem &#8216;Phänomen&#8217; und &#8220;schillernden Begriff&#8221; (Gerald Petersen) des Charismas näher zu kommen scheint, als es Ihnen, lieber Jens, in Ihrem Beitrag - jedenfalls nach meiner Lesart - gelungen ist: Indem sie nämlich darauf hinweist, dass &#8220;Charisma&#8221; in erster und wesentlicher Hinsicht eine ZUGESCHRIEBENE Eigenschaft ist, also v.a. einen sozialen Zusammenhang bezeichnet und nicht eine persönliche Qualität; zumindest lässt sich diese Qualität (so Weber, wie wir gleich sehen werden) nicht leichthin objektivieren und damit gleichsam &#8216;vermarktbar&#8217; und ohne weiteres &#8216;trainierbar&#8217; machen. Obacht also: Wer ein &#8220;Charisma&#8221;-Seminar buchen will, sollte sich genau informieren, auf welche Scharlatanerie er sich da einlässt!</p>
<p>&#8220;»Charisma« soll eine als außeralltäglich [&#8230;] geltende Qualität einer Persönlichkeit heißen, um derentwillen sie als mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen, nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften oder als gottgesandt oder als vorbildlich und deshalb als »Führer« GEWERTET [meine Hervorhebung] wird. Wie die betreffende Qualität von irgendeinem ethischen, ästhetischen oder sonstigen Standpunkt aus »objektiv« richtig zu bewerten sein würde, ist natürlich dabei begrifflich völlig gleichgültig: darauf allein, wie sie tatsächlich von den charismatisch Beherrschten, den »Anhängern«, BEWERTET [meine Hervorhebung] wird, kommt es an.&#8221;</p>
<p>Und dann erfahren wir auch noch, dass &#8220;Charisma&#8221; und Wirtschaft sich nicht wirklich gut vertragen. seien Sie also doppelt gewarnt:</p>
<p>&#8220;Reines Charisma ist spezifisch wirtschaftsfremd. Es konstituiert, wo es auftritt, einen »Beruf« im emphatischen Sinn des Worts: als »Sendung« oder innere »Aufgabe«. Es verschmäht und verwirft, im reinen Typus, die ökonomische Verwertung der Gnadengaben als Einkommensquelle, – was freilich oft mehr Anforderung als Tatsache bleibt. Nicht etwa, daß das Charisma immer auf Besitz und Erwerb verzichtete, wie das unter Umständen (s. gleich) Propheten und ihre Jünger tun. Der Kriegsheld und seine Gefolgschaft suchen Beute, der plebiszitäre Herrscher oder charismatische Parteiführer materielle Mittel ihrer Macht, der erstere außerdem: materiellen Glanz seiner Herrschaft zur Festigung seines Herrenprestiges. Was sie alle verschmähen – solange der genuin charismatische Typus besteht – ist: die traditionale oder rationale Alltagswirtschaft, die Erzielung von regulären »Einnahmen« durch eine darauf gerichtete kontinuierliche wirtschaftliche Tätigkeit. Mäzenatische – großmäzenatische (Schenkung, Stiftung, Bestechung, Großtrinkgelder) – oder: bettelmäßige Versorgung auf der einen, Beute, gewaltsame oder (formal) friedliche Erpressung auf der anderen Seite sind die typischen Formen der charismatischen Bedarfsdeckung. Sie ist, von einer rationalen Wirtschaft her gesehen, eine typische Macht der »Unwirtschaftlichkeit«. Denn sie lehnt jede Verflechtung in den Alltag ab. Sie kann nur, in voller innerer Indifferenz, unsteten Gelegenheitserwerb sozusagen »mitnehmen«. »Rentnertum« als Form der Wirtschaftsenthobenheit kann – für manche Arten – die wirtschaftliche Grundlage charismatischer Existenzen sein. Aber für die normalen charismatischen »Revolutionäre« pflegt das nicht zu gelten.&#8221;</p>
<p>Quelle: Max Weber (1922): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, Erster Teil: Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte, Kapitel III. Die Typen der Herrschaft, § 10. Merkmale der charismatischen Herrschaft<br />
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