Monthly Archive for August, 2007

Big Brother heißt Spock

Big Brother hat einen Namen. Er heißt Spock. spock.com ist eine neue Suchmaschine für Personen, die in Kürze aktiv wird (bisher in der Beta-Phase). Der Gründer Jay Bhatti hat das unbescheidene Ziel: “Wir wollen ein Profil von jedem Menschen dieser Welt anlegen” (Die Menschheit auf dem Online-Präsentierteller).

Spock steckt seine spitzen Ohren Nase in bereits vorhandene Profile auf sozialen Netzwerkplattformen, z.B. Facebook oder Myspace. Meine Infos hat er aus LinkedIn (nicht aus XING, dabei ist XING für mich viel wichtiger). Die gefundenen Personenprofile werden mit Tags versehen.

Für die Bewertung des Dienstes sind zwei Fragen zu stellen:

  1. Ist spock.com nützlich?
  2. Ist spock.com gefährlich?

Nun, was kann spock.com? Man kann einen Namen eingeben, und bekommt eine Liste mit den Personen, die diesen Namen tragen. Oder man sucht nach Tags und man bekommt eine Liste von Personen, die mit diesen Tags versehen sind, usw. Eine Suche nach „Blogger“ in „Germany“ ergibt heute 28 Treffer. Inhaltlich in Ordnung, soweit ich das beurteilen kann.

spockam243.bmpDie Qualität vieler Suchergebnisse lässt allerdings zu wünschen übrig. Es finden sich eine Menge Fakes, z.B. die Suche nach „Angela Merkel“ bringt das Profil der Kanzlerin, aber auch Profile, die behaupten „Bin kanzler!! ihr nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!!” oder “I’m the german chancellor. It’s a hard job day by day, but I like it!”. Und das Profil von Klaus Kleinfeld gibt es zweimal. Und scheinbar gibt es keine weiblichen CEOs in Deutschland. Schade ;o)

Fazit: Es muss sich erst noch zeigen, wie nützlich diese Suchmaschine ist.

Und ist spock.com gefährlich? Auf den ersten Blick greift spock.com nur auf solche Informationen zu, die frei im Internet auffindbar sind. Für die Informationen, die automatisch aus Social Networking Plattformen gezogen werden, mag das zutreffen. Aber es werden auch Personen erfasst, die sich nicht auf Social Networking Plattformen eingetragen haben. Und die gespeicherten Infos über Personen können von Nutzern bearbeitet werden. Hier wird es kritisch.

Nicht nur kann man sein eigenes Profil bearbeiten, sondern auch das anderer Leute. Angemeldete Nutzer können Tags hinzufügen oder abstimmen, ob die Tags zutreffend sind. Aber „anders als in der Wikipedia, wo bereits bekannt ist, dass man Einträge über Personen z. B. durch überprüfen der Bearbeitungshistorie auf Plausibilität überprüfen sollte, muss sich eine solche Kultur bei Spock-Profilen erst noch etablieren“ (Wikipedia). Unsinnmachern und Manipulatoren sind Tor und Tür geöffnet. Der Dienst „vereinfacht die Diffamierung“ (Markus Beckedahl im Interview bei ZEIT Zünder).

Es ist ein Phänomen: Während wir früher protestiert haben, wenn eine harmlose Volkszählung anstand, so geben wir heute freiwillig alle möglichen Informationen über uns im Internet preis. Und spock.com fasst die Infos ganz bequem zusammen. Besonders kritisch sehen Datenschützer die Adressbuch-Funktion: Man kann eigene Kontakte als Favoriten kennzeichnen, wenn man spock.com seine E-Mail-Adressen und Passwörter für E-Mail Postfächer gibt (Yahoo, Gmail etc.). spock.com loggt sich dann mit den Zugangsdaten des Users ein, um dessen Kontakte zu scannen.

Fazit: Zunächst sollte man sich generell bewusst sein, dass Informationen, die man offen in’s Internet stellt, jedem zugänglich sind, auch dem Chef oder Personalentscheidern. Bezüglich spock.com sehe ich diese Handlungsmöglichkeiten:

  1. Sein Profil löschen lassen (aber: „Die Macher von Spock geben unumwunden zu, dass sie auf Wunsch nur Profile löschen, wenn sie auch woanders, etwa in sozialen Netzwerken wie Xing, nicht mehr öffentlich zugänglich sind. Denn wenn die Daten in der Ursprungsquelle nicht gelöscht sind, können sie auf Spock.com jederzeit wieder auftauchen“, stern.de). Oder
  2. Sein Profil im Auge behalten und ggf. bearbeiten. Und
  3. Keine Passwörter für E-Mail Postfächer preisgeben.

Pecha Kucha: POWERpoint

pechakuchanight250.JPGPecha Kucha ist japanisch und meint eigentlich „wirres Geplapper“. Es ist ein festes Format für eine Powerpoint- Präsentation: 20 Folien à 20 Sekunden, also 6 Minuten und 40 Sekunden insgesamt. Keinesfalls länger. Möglicherweise sogar kürzer, nämlich wenn das Publikum den Redner von der Bühne buht.

Bei den Pecha-Kucha-Nights halten Redner einen Vortrag zu einem Thema ihrer Wahl. Das unterscheidet Pecha Kucha von Powerpoint-Karaoke, wo Freiwillige zu einer willkürlich ausgewählten Powerpoint-Präsentation (irgendwo aus dem Internet heruntergeladen) einen Vortrag halten sollen. Powerpoint-Karaoke ist eine reine Nonsense-Veranstaltung, während es beim Pecha Kucha darum geht, einen sinnvollen und beeindruckenden Vortrag zu halten. Also bitte kein „wirres Geplapper“ (etwas paradox, der Name Pecha Kucha). Pecha-Kucha-Nights gibt es in Tokio, Los Angeles, London und anderen Städten. Mitmachen kann jede(r), Kreative und alle, die anderen von Ihren Projekten oder Ideen erzählen möchten. Termine in Deutschland: Frankfurt, Berlin, Köln und Hamburg (Videos).

Death by PowerPoint: A Modern Office Survival GuideUrsprünglich stammt die Idee aus Japan. Astrid Klein und Mark Dytham suchten ein Gegenmittel gegen langatmige Powerpoint-Präsentationen, wie sie leider oft zu erleben sind, und definierten die Regeln. Pecha Kucha scheint mir nicht nur ein gutes Unterhaltungsformat zu sein, sondern auch ein brauchbares Mittel, bei Präsentationen im unternehmerischen Alltag auf die wichtigsten Inhalte fokussiert zu bleiben. Außerdem beugt es dem gefürchteten „Death by Powerpoint“ vor - das ist der Moment, in dem man während einer Präsentation wegdämmert.

Nutzt den Urlaub zur Weiterbildung!

Kein Scherz. Das meint Martin Wansleben, DIHK Hauptgeschäftsführer, vollkommen ernst. Wansleben fordert, dass Arbeitnehmer sich in ihrem Urlaub weiterbilden. Er begründet das mit der langen Urlaubszeit der deutschen Arbeitnehmer. Nicht nur die Gewerkschaften finden das gar nicht gut. „Das wirkliche Problem sind bildungsunwillige Unternehmen“, so der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. In diese Kerbe schlägt auch Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin der Grünen: „Statt in der Sommerpause mit populistischen Forderungen zu nerven, sollten die Unternehmen erst einmal ihr eigenes Engagement bei der Weiterbildung überprüfen“.

Nun befürworte ich durchaus die Eigeninitiative von Menschen, aber der Appell an die Eigeninitiative darf nicht dazu führen, dass die Unternehmen sich weiterhin um eine zentrale Aufgabe der Unternehmensführung drücken. Insgesamt haben nämlich die deutschen Unternehmen ihre Weiterbildungsaktivitäten seit 1999 deutlich reduziert. Selbst der wirtschaftliche Aufschwung führt zunächst zu mehr Investitionen in IT, aber nicht in das Humankapital. Diese Tatsache wirft ein schlechtes Licht auf deutsche Unternehmen. Wo bleibt nun die Wertschätzung für das Humankapital? Wo ist die langfristige Denke?

Übrigens, als Wansleben gefragt wurde, welche persönlichen Konsequenzen er aus seinem Vorschlag zieht, antwortete er: „Den letzten Urlaub habe ich etwa zum Sprachtraining genutzt, indem ich fremdsprachige Literatur gelesen habe“ (Quelle: FTD Printausgabe).

Fußball-Kommunikation

070311 Artus 17 by Gerald Petersen.JPGDie Bundesliga-Saison hat begonnen. Ich gebe zu, auch wenn ich gerne ein gutes Spiel ansehe und Sympathie für norddeutsche Clubs hege, bin ich kein großer Fußball-Fan. Ich schätze, das liegt daran, dass ich als Kind nicht Star Trek sehen konnte, weil zeitgleich die Sportschau lief.

Wir kennen die Weisheiten „Der Ball ist rund“ von Sepp Herberger oder „Ich habe fertig“ von Giovanni Trappatoni. Die Fußball-Welt hat ja noch viele weitere verbale Highlights hervorgerufen. Darunter sind Treffer, aber auch Eigentore, misslungene Dribblings und Blutgrätschen. Einige meiner Favoriten:

„Wir müssen jetzt erst mal nachdenken. Nachdenken bedeutet, dass man über alles Mögliche nachdenkt.“ Hertha-Manager Dieter Hoeneß

„Wir werden mit elf Mann auflaufen.“ Rudi Völler

„Natürlich haben die beiden nicht mehr gezeigt als zu sehen war.“ Erich Ribbek

„Adriano gibt als seine Vorbilder Kaka und Jesus an. Kaka von Milan und Jesus von Nazareth.“ Beni Thurnheer

„Wir haben mit der notwendigen fairen Brutalität gespielt.“ Christian Beeck

„Jeder kann sagen, was ich will.“ Otto Rehagel

„Wenn ich über’s Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.“ Berti Vogts

„Wir werden nur noch Einzelgespräche führen, damit sich keiner verletzt.“ Frank Pagelsdorf

„Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.“ Mario Basler

Schiedsrichter: „Ich verwarne Ihnen.”
Willi Lippens: „Ich danke Sie.”
Schiedsrichter: Zieht die rote Karte.

„Kompliment an meine Mannschaft und meinen Dank an unsere Mediziner. Sie haben Unmenschliches geleistet.“ Berti Vogts

„Wir sind eine gut intrigierte Truppe.“ Lothar Matthäus

„Meine Mannschaft ist 15 oder 16 mal ins Abseits gerannt. Das haben wir auch die ganze Woche geübt.“ Manfred Krafft

„Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Jürgen Wegmann

„Zwei Minuten gespielt, noch immer hohes Tempo.“ Holger Obermann

„So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“ Lukas Podolski (nach dem 0:2 im WM-Halbfinale gegen Italien - für diesen Spruch erhielt er die Auszeichnung „Fußballspruch des Jahres 2006“ von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur)

Weitere Zitate hier oder hier. Was ist Ihr Lieblingszitat?

Virtuelle Kommunikation – mit missverständlichen Grüßen

E-Mail (free)E-Mails sind genial und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Aber jeder von uns hat es erlebt, dass Mails anders aufgefasst wurden als wir es gemeint haben. Erst kürzlich habe ich erlebt, wie eine von mir humorig gemeinte Bemerkung sauer aufgenommen wurde.

Nicholas Epley, Assistant Professor an der University of Chicago Graduate School of Business, hat dieses Phänomen systematisch untersucht (veröffentlicht im Journal of Personality and Social Psychology). Seine Versuchspersonen haben eine Reihe von Mitteilungen per Telefon und per Mail übermittelt. Die eine Hälfte der Mitteilungen war in einem ernsthaften Ton formuliert und die andere Hälfte in einem sarkastischen Ton. Die Absender waren sich zu 80% sicher, dass die Adressaten ihre Nachricht richtig interpretieren. Die Ergebnisse sprechen eine andere Sprache: Die Telefon-Kommunikation wurde in 75% der Fälle richtig interpretiert, während die E-Mail-Kommunikation nur in 55% der Fälle richtig interpretiert wurde („richtig“ bedeutet hier „so wie gemeint“). Das ist kaum besser als ein Zufallsergebnis (50-50, also 50%). So können regelrechte „Flame Wars“ entstehen.

Ok, aber E-Mails sparen Zeit!? Es kommt darauf an. Ned Kock, heute bei der Texas A&M International University, ließ Paare über bestimmte Problemlösungen miteinander kommunizieren. Zehn Paare kommunizierten in der persönlichen Begegnung und zehn Paare tauschten sich per E-Mail über die Probleme aus. Ned Kock ermittelte die „Zeit der kognitiven Anstrengung“ für die Übermittlung einer bestimmten Anzahl von Ideen. Diese war beim E-Mail-Kontakt 5-15 mal länger als bei einem persönlichen Zusammentreffen. Kock schließt daraus, dass der Mensch nicht für die virtuelle Kommunikation geschaffen ist.

These: Psychologische Kommunikation wird durch Technik nicht schneller.

Auch wenn E-Mail eine wunderbare Sache ist, sollten wir uns doch bewusst sein, dass es viele Situationen gibt, in denen E-Mail die schlechtere Wahl ist. Wenn es um komplexe oder emotionale Themen oder um Zwischentöne in der Kommunikation geht, dann heißt es besser „From Mail to Phone!“.

Für mich besteht der größte Vorteil der E-Mail Kommunikation darin, zeitversetzt kommunizieren zu können. D.h. ich kann dann eine Mail schreiben, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige, ohne dass ich jemand anderen bei seinen Tätigkeiten unterbreche. Und für mich besteht ebenfalls die Möglichkeit, E-Mails dann zu beantworten, wenn ich Zeit dazu habe. Und das ist effizient.

Employability – auch Unternehmen stehen in der Verantwortung

Employability (Beschäftigungsfähigkeit) bedeutet, seine Kompetenzen weiter zu entwickeln, um eine Beschäftigung zu erlangen oder zu erhalten. Soft Skills werden wichtiger als Fachwissen. Doch nicht nur Mitarbeiter, auch Unis und Unternehmen stehen in der Verantwortung, ein Umfeld für Employability zu schaffen.

Aus einem Interview mit Professor Jutta Rump von der Fachhochschule Ludwigshafen (Jutta Rump leitet das Institut für Beschäftigung und Employability):

Da können die Hochschulen diese Fähigkeiten noch so fördern - wenn ein Unternehmen von einem Mitarbeiter 25 Jahre lang defensive Anpassung verlangt, kann es nicht plötzlich Veränderungsbereitschaft erwarten. Unternehmen, die Employability fordern, müssen sie auch fördern.

Wie?

Das hat viel mit Führung zu tun, mit Organisation, Betriebsklima, Unternehmenskultur. Ein Mitarbeiter der employable ist, will offen geführt werden, nicht rigide. Das heißt, er will bei wichtigen Entscheidungen dabei sein, will Befugnisse haben. Er trägt gerne Verantwortung, will agieren. Er verlangt ein Aufgabengebiet, indem er schalten und walten kann, nicht bloß kleinteilige Aufgaben, die er abarbeiten muss.

McGregor lebt.




Blog Top Liste - by TopBlogs.de