Monthly Archive for Februar, 2008

Humanomics

humanomics.jpgDie Wissenschaften wachsen zusammen. Eindrucksvoll führt dies das Buch „Humanomics“ von dem „Die Zeit“ Wirtschaftsredakteur Uwe Jean Heuser vor. Der Paradekritik des wissenschaftlichen Silo-Denkens, wenn Forscher unterschiedlicher Disziplinen einen Elefanten untersuchen, weiß man zwar wie ein Bauch oder ein Rüssel oder die Ohren aussehen, man versteht aber nie den ganzen Elefanten, wird hier entgegnet.

Heuser führt Psychologie, Ökonomie, Politik, Soziologie und Neurowissenschaften elegant zusammen und beschreibt anschaulich, wie der moderne Mensch bei Kaufentscheidungen denkt, was ihn dabei wie glücklich macht und was ihn antreibt. Dabei werden State-of-the-Art Forschungsergebnisse zur Belegung von Thesen herangezogen, die nicht immer dem Alltagsglauben entsprechen.

Ziel des Buches, so der Klappentext, sei es, „den Menschen als Kunden und Mitarbeiter besser kennen zu lernen (…) und nicht zuletzt hilft das neue Wissen der Ökonomie uns allen dabei, Wirtschaft, Gesellschaft und den Staat so zu gestalten, dass sie dem Wohle der Menschen wirklich dienen.“ Ein Anfang ist gemacht.

Was motiviert?

motivation2.jpgWas motiviert? Wovon hängt das Engagement von Mitarbeitern ab? Das sind wichtige Fragen, denn motivierte Mitarbeiter sind Voraussetzung für den langfristigen Geschäftserfolg eines Unternehmens.

And the winner is:

Respektvoller Umgang weltweit wichtigster Faktor für das Mitarbeiterengagement

Die „What’s Working“-Studien von Mercer zeigen: Die größte Bedeutung für die Motivation haben ein respektvoller Umgang, die Art der Arbeit sowie die Work-Life-Balance. Weltweit gesehen ergibt sich diese Rangreihe von Faktoren für Mitarbeiterengagement:

  • Respekt
  • Art der Arbeit
  • Work-Life-Balance
  • Bereitstellung von gutem Kunden-Service
  • Grundgehalt
  • Menschen, mit denen man zusammen arbeitet
  • Betriebliche Zusatzleistungen
  • Langfristige Karrieremöglichkeiten
  • Weiterbildung und Entwicklung
  • Flexibles Arbeiten
  • Möglichkeiten zu Beförderung/ beruflichen Fortkommen
  • Variable Vergütung/Bonus

Aber es gibt große Unterschiede zwischen Ländern. In Deutschland sind die Menschen am wichtigsten, mit denen man zusammen arbeitet, gefolgt vom respektvollen Umgang und der Art der Arbeit. Variable Gehaltsbestandteile scheinen die Deutschen dagegen nur in geringem Maße zu motivieren.

Für Japaner ist generell das Gehalt am wichtigsten, sowohl das Grundgehalt als auch das variable, während flexibles Arbeiten an letzter Stelle liegt. Für Chinesen sind betriebliche Zusatzleistungen sehr wichtig, während die Art der Arbeit keine so große Rolle spielt. In Indien haben die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung einen viel höheren Stellenwert als in anderen Ländern. In den USA steht der respektvolle Umgang miteinander an erster Stelle (wie in Deutschland), die variablen Vergütung liegt dagegen an letzter Stelle (wie in Deutschland) – was mich überrascht, ich hätte vermutet, dass für Amerikaner das variable Gehalt eine höhere Bedeutung hat. Dagegen überrascht es mich nicht, dass in Frankreich die Work-Life-Balance einen höheren Stellenwert hat als anderswo.

Eine Zusammenfassung ist hier als PDF erhältlich.

Job, Karriere, Business - eine Blogliste

Jochen Mai hat auf seinem Karriere-Bibel-Blog eine Liste veröffentlicht mit Blogs zu den Themen Job, Karriere, Business. Die Liste ist in folgende Rubriken unterteilt:

  • Job- und Karriere-Blogs
  • Bloggende Coaches und Berater
  • Artverwandte Business-Blogs
  • Blogs und Webseiten mit Business-Bezug

Die Liste umfasst im Moment 50 Einträge und wird von Zeit zu Zeit aktualisiert, also vielleicht einfach mal darin stöbern und Neues entdecken!

Nachtrag: Eine Liste englischsprachiger Blogs und Webseiten hat Jochen Mai ebenfalls aufgestellt - Die US-Liste – 50 Blogs und Webseiten für Job und Karriere.

Eine Liste mit Business-Blogs aus dem Umfeld Consulting findet sich bei Top 100 Business-Blogs.

Eine redaktionell betreute Sammlung von Business Blogs findet sich auf der Blogalm.

Mythos: Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns

travemnde_sandworld_057_einstein_240.jpgIst das nun eine gute Nachricht oder eine schlechte Nachricht? Es heißt: Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns. Ich kann mich an Werbung von Scientology erinnern, die das behauptete und die neugierig machen soll, denn – wer lässt schon gerne auf sich sitzen, nur 10% seines Hirns zu nutzen? Und wenn wir tatsächlich nur 10% nutzen, und den Nutzungsgrad erhöhen könnten, dann hätten wir ja ein riesiges Potenzial, klingt das nicht gut?

Es gibt allerdings einige Fakten und gute Argumente, die gegen den Mythos sprechen, dass wir nur 10% unseres Gehirns nutzen:

1. Wenn das wahr wäre, könnten wir Schädigungen des Gehirn (durch Unfälle, Schlaganfälle etc.) leicht „wegstecken“ und kompensieren. Hören Sie sich um, besuchen Sie ein Krankenhaus, fragen Sie Ärzte/Neurologen: Das ist nicht oder nur in geringem Maße der Fall, leider.

2. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Evolution ein Organ ausbildet, das zu 90% nicht genutzt wird.

3. Die Kernspintomographie und andere Wundergeräte der modernen Medizin zeigen, dass das ganze Gehirn aktiv ist (mehr oder weniger), sogar im Schlaf.

4. Körpergewebe, das nicht gebraucht wird, wird abgebaut. Auch im Gehirn gibt es natürliche Abbauprozesse: Neuronen, die nicht verwendet werden, sterben ab.

Mythos: Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns.
Status: Zerstört.

via PsyBlog

Weiterbildung lohnt sich für Unternehmen

reverse-macro-13-arrows-dollar-bill-by-odalaigh-cc.jpgWeiterbildung ist ein Karriere-Turbo, das ist bekannt. Auch Unternehmen sehen den Wert von Weiterbildung, sind jedoch auch unsicher in Bezug auf die tatsächliche Rendite von Weiterbildungsmaßnahmen.

Eine Studie der Universität Linz im Auftrag der Arbeiterkammer Wien bringt Licht in dieses Dunkel und zeigt beeindruckende Ergebnisse: Jeder Euro, der zusätzlich in Weiterbildung investiert wird, bringt 13 Euro für das Unternehmen. Die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters erhöht sich um vier Prozent. „Die Studie zeigt die enorme Hebelwirkung von Weiterbildung“ (Johanna Ettl, Bildungsexpertin der AK Wien).

Die Studie belegt, dass die Effekte je nach Themenbereich unterschiedlich sind. Die Weiterbildung von Soft Skills (persönliche Fähigkeiten, z.B. in den Bereichen Kommunikation, Führung, Team) bringt mehr Produktivitätszuwachs als etwa Sprach-, Marketing- oder IT-Kurse.

Wie passen diese Ergebnisse zu den Befunden einer anderen Studie (dritte europäische Erhebung über die berufliche Weiterbildung in Unternehmen), wonach deutsche Unternehmen mit Weiterbildung knausern und ihre Weiterbildungsaktivitäten seit 1999 deutlich reduziert haben? Das passt gar nicht, es ist ein Zeichen für ökonomischen Unverstand. Weiterbildung wird von den Verantwortlichen offensichtlich massiv in ihrer positiven Wirkung für die Unternehmen unterschätzt.

Die Kommunikation des Charlie Wilson

Wie kommuniziert ein Politprofi? Die Antwort gibt uns der von Mike Nichols inszenierte Film “Der Krieg des Charlie Wilson“. Die Kamera ist stets dabei, wenn der von Tom Hanks gespielte Kongressabgeordnete Charlie Wilson sein Ziel – möglichst viel Geld für die afghanischen Rebellen im Kampf gegen die Sowjetunion zu beschaffen – kommunikativ Minute für Minute verfolgt. Da wird sich gegenüber den amerikanischen Botschafter von Pakistan durchgesetzt, er begeistert den Ausschuss-Vorsitzenden Doc Long für seine Idee, noch mehr Geld für die Rebellen bereit zu stellen in eine der skurrilsten Szenen des Filmes (der konservative Politiker ist letztendlich so begeistert, dass er den Rebellen mit Allahu akbar zujubelt) und Wilson überzeugt allen und jeden an allen Ecken und Enden des Plots. Ganz zu schweigen zu den vielen Brücken, denen er zu der von Julia Roberts gespielten Joanne Herring baut.

Kenner des Seminars Positiv Beeinflussen werden ihre Freude bei dem Film haben, die Kommunikations- und Beeinflussungsstile wieder zu entdecken. Dass es im Politikgeschäft nicht nur um Positives beeinflussen geht, sondern hier auch zwischenmenschliche Abhängigkeiten geschaffen werden, manipuliert wird und dass das Wissen über Fehltritte anderer ebenfalls zum Handwerkszeug gehört, lernen wir freilich auch.

Interview (6): China verstehen!

china-wirtschaftspartner.jpgZurzeit ist es wohl bitter kalt in China und die Infrastruktur zeigt gerade jetzt, wo Millionen von Menschen am Neujahrsfest zu ihren Familien fahren wollen, erhebliche Mängel. Die Bahnhöfe werden vom Militär bewacht und auch die Aktien wanken. Dennoch oder gerade auch deshalb ist der Bedarf an interkulturellem Wissen so hoch wie nie. Dr. Theresia Tauber ist eine der Autorinnen des Buches China, Wirtschaftspartner zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein Handbuch für Praktiker und führt Trainings im Bereich interkulturelles Verhalten durch und steht uns heute Rede und Antwort.

Frage > Was sind denn die wesentlichen Denkunterschiede zwischen Chinesen und Europäern?

Die wichtigsten drei:
1. Chinesen sind derzeit Optimisten mit ungebremstem fröhlichem Fortschrittsglauben, denn seit 30 Jahren geht es den meisten stetig besser, in jeder Hinsicht.
2. Chinesen glauben nicht wirklich an den Sinn von Planung und auch nicht an Wahrheit. Deutsche versuchen Fragen “prinzipiell” zu lösen. Wir fragen: “Wo kommt das Problem eigentlich her? Was ist die wahre Lösung?” Chinesen fragen lieber: “Wie kriegen wir das Problem vom Tisch?” Immer ganz konkret, ganz praktisch. Pfeif auf die Prinzipien. Was jetzt und hier funktioniert, ist gut.
3. Deutsche schätzen an einem Streit, dass er so etwas wie ein “reinigendes Gewitter” sein kann. Das sehen Chinesen ganz anders. Streit bedeutet für sie eher: Blitzschlag und verbrannte Erde. Lieber vermeiden sie den Streit von vorneherein, jedenfalls, wenn sie an einer Fortsetzung der gemeinsamen Beziehung interessiert sind

Frage > Wie manifestieren sich solche Denkunterschiede in Verhalten und Kommunikation?

Entsprechend den oberen drei Antworten:
1. Der Optimismus führt generell zu einem freundlichen Umgang mit uns Fremden. Und manchmal zu Ratlosigkeit, wenn wir zum Beispiel Umweltprobleme in der uns eigenen drängenden Form ansprechen.
2. Wenn ein Chinese etwas verspricht, bedeutet das nicht, dass er wirklich weiß, ob und wie er seine gute Absicht in die Tat umsetzen kann. Auch Auskünfte aller Art sind mit Vorsicht zu genießen, da diese nicht immer abgesichert sind.
3. Im Zweifelsfall drücken viele Chinesen sich gern unklar aus, damit es zu keinem Streit kommt. Außer, sie wollen Streit.

Frage > Welche sozialen Fertigkeiten sollten Chinareisende erlernt haben bzw. mit nach China bringen?

Ich nenne 8, weil 8 eine chinesische Glückszahl ist:
1. Bei unklaren Situationen nicht in Panik ausbrechen, sondern cool bleiben.
2. Vorgefasste Meinungen rasch durch offene Beobachtungen ersetzen können.
3. Indirekte Botschaften entschlüsseln können.
4. Wissen, wann indirektes und wann direktes Vorgehen zielführender ist.
5. Flexibel sein, offen für Neues.
6. Geduld haben, aber auch sich rasch entscheiden können.
7. Wissen, wie man zu viel Alkohol oder unliebsame Speisen elegant/witzig ohne Affront ablehnt.
8. Neugier und die Lust, jede Menge Beziehungen aufzubauen/zu pflegen.

Frage > Was sind die wesentlichen Erfolge Ihrer Trainings? Haben Sie dazu Beispiele?

Drei ganz unterschiedliche Beispiele:
1. Unsere Teilnehmer lernen, dass es bei der Kommunikation nicht auf das “Was” ankommt, sondern auf das “Wie”. Falsche Kommunikation läuft ins Leere, die Leute bekommen gar keine Antworten auf ihre Mails, oder sie verärgern und blockieren ihre chinesischen Partner. Mit unserer Hilfe entwickeln die Seminarteilnehmer Wege, mit den chinesischen Partnern eine unverkrampftere Kommunikation aufzubauen. Das wiederum ist ein notwendiger Schlüssel zur raschen Lösung von Problemen aller Art. Je besser die Kommunikation, desto rascher und damit kostengünstiger kann die Lösung sein.
2. Manche für uns Deutsche negativen Vorkommnisse in China (wie Job-Hopping unter Mitnahme von Firmen-Know-how) lassen sich auch durch perfekte Kommunikation nicht verhindern. Unsere Seminarteilnehmer lernen aber, unter welchen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen chinesische Partner agieren. Das macht sie kompetenter in der Entwicklung schützender Geschäftsstrategien.
3. Personen, die nach dem Training nach China ausreisen, fühlen sich mit dieser Unterstützung sicherer und kompetenter und tun sich mit dem Einstieg in China wesentlich leichter als ohne Training. Zumal sie wissen, dass sie sich mit Fragen auch von China aus jederzeit an uns wenden können.

Frage > Wenn Sie nur einen Tipp geben könnten an einen nach China dienstlich Reisenden, was wäre dieser?

Nehmen Sie sich doppelt soviel Zeit für die Reise, wie Sie zu benötigen denken.
Gründe:
1. Vielleicht erweisen sich chinesische Planungen als nicht belastbar und Sie müssen umdisponieren.
2. Nur mit genügend Zeit können Sie genügend Umfeld in Augenschein nehmen. Verlassen Sie den Besprechungsraum, schauen Sie sich um, machen Sie sich ein Bild! (Von Fabriken, Arbeitsbedingungen und allem, was für Sie wichtig sein könnte)
3. Nutzen Sie die Zeit, vorab auszuschlafen und einen klaren Kopf zu bekommen. Auf Ihre Beobachtungsklarheit kommt es mehr an als auf jedes Klischee, das Sie über China gelesen haben.

Frau Dr. Tauber, ich danke für das Gespräch.




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