Monthly Archive for Oktober, 2008

Diversität auf dem Vormarsch

“Wenn ich den Konzern eines Tages verlasse, möchte ich gern eine deutlich bessere Mannschaft hinterlassen, als ich übernommen habe”. Das verkündet Henkel Vorstandschef Rorsted. Sein Rezept dafür ist Diversität, d.h. mehr Vielfalt hinsichtlich Nationalität, Alter und Geschlecht.

Die Begründung, warum mehr Diversität in den Führungspositionen erwünscht ist, klingt ganz ähnlich wie bei Siemens Vorstandschef Löscher: “Nur 17 Prozent des Umsatzes erzielt Henkel in Deutschland - das muss sich in der Tendenz auch in der Zusammensetzung der Führungsebenen widerspiegeln” (alle Zitate: Rorsted in der FTD). Wenn das der einzige Grund wäre, fände ich das etwas mau. Ich denke aber, dass weit mehr dahinter steht, als in der Zeitung steht (Stichworte Team, Kreativität). Auch sollte Diversität nicht das alleinige Rezept sein, um die Mannschaft „besser“ zu machen.

Jedenfalls freut es mich, wenn immer mehr Vorstände verstehen, dass es auf die Menschen ankommt. Rorsted: “Die Finanzkrise wird vorübergehen, wir werden am Ende genug finanzielle Ressourcen haben. Größter Knappheitsfaktor bleibt der Mensch“.

Boni bringen nix

uscurrency_federal_reserve-pd.jpgUnsere Finanzsysteme erleben die schlimmste Krise seit der Weltwirtschaftskrise, die 1929 begann. Zur Zeit fragen wir uns kollektiv, ob die Kernschmelze dieses mal durch das Eingreifen der Staaten abgewendet wurde.

Ein Aspekt, der mir nun in einem anderen Licht erscheint, sind die exorbitanten Gehälter und Boni für viele Banker und Vorstände, denen wir (nicht nur, aber doch zum großen Teil) das Desaster zu verdanken haben. Und wussten Sie, dass z.B. die Deutsche Bank Mitarbeiter (Hedgefond-Manager, London) beschäftigt, die viel mehr Geld mit nach Hause nehmen als Herr Ackermann?

Der Widerspruch ist offensichtlich: Boni sollten für erfolgreiches Wirtschaften gezahlt werden, und nicht für Geldvernichtung, Versagen und Gefährdung der Gesamtwirtschaft.

Boni als Mittel einer (vorgeblich) leistungsorientierten Entlohnung sind sehr beliebt, bei den Vorständen gab es in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom beim Bonus. Pay for Performance gilt als effektive und fortschrittliche Managementmethode. Aber: Sind Boni überhaupt wirksam?

Nun zieht eine Studie zur Wirksamkeit von Pay for Performance den Boni-Befürworten den Boden unter den Füßen weg. Prof. Margit Osterloh und Katja Rost von der Universität Zürich haben mit einer Meta-Analyse untersucht, inwieweit leistungsabhängige Entlohnung des Top-Managements in Form von Aktien, Optionen oder Bonuszahlungen die Unternehmensperformance beeinflusst.

Die Forscher kombinierten die Resultate von 76 wissenschaftlichen Studien aus 123767 untersuchten Unternehmen und stellten fest: “Die Höhe des variablen CEO-Einkommens erklärt die Unternehmensperformance nur zu 1,2 Prozent” (Katja Rost, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Organisation und Technologie- und Innovationsmanagement). Das ist deutlich: Boni und ähnliche Anreize haben praktisch keinen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Die Studie belegt, dass Boni nicht nur nichts bringen, sondern sich sogar negativ auf die Performance auswirken können („Profitbasierte Entlohnung für Manager ist kontraproduktiv“). Die Eigenmotivation (intrinsische Motivation) wird verdrängt, und Dysfunktionalitäten wie kurzfristiges Denken und Eigennutz-Maximierung auf Kosten des Gesamtsystems werden verstärkt.

Medienmitteilung als PDF hier.

Shannon Weaver ist nicht Steinbrück Funke!

Mit dem Kommunikations-Modell von Shannon und Weaver beginnen häufig Kommunikationsseminare. Für diesen Bedarf kann man das ursprünglich nachrichtentechnische Modell so interpretieren, dass der Sender, wenn er eine Botschaft abschickt doch bitte reflektieren soll, wer der Empfänger ist. Anschaulich kann man Missverständnisse zwischen Sender und Empfänger machen, wenn der eine ein Betriebswirt ist und der andere ein Ingenieur. Unterschiedliche Denkweisen, unterschiedliche Ausbildungen, ganz anderes Vokabular und womöglich entgegen gesetzte Zielvorstellungen prallen aufeinander. Rendite hier, Wirkungsgrad dort.

Aktuell prallen zwei andere unterschiedliche Empfänger- und Senderwelten im medialen Ring aneinander. Die Politik verkörpert von Peer Steinbrück und Angela Merkel in der linken Ecke und die Finanzwirtschaft vertreten von Georg Funke noch Chef  der Hypo Real Estate in der anderen. Dass sie sich nicht so gut leiden können, liegt wohl an ein paar Milliarden mehr oder weniger, aber sicherlich auch an den unterschiedlichen Kommunikationsstilen und –gewohnheiten.

Dass das erste Rettungspaket der HRE platzte, davon erfuhr Steinbrück und Merkel laut der Süddeutschen Zeitung per SMS. Beide Politiker wunderten sich, „warum haben die uns nichts gesagt?“ Für Merkel war das besonders peinlich, da sie gerade das erste Rettungspaket vor ihren G7-Kollegen als vorbildlich lobte und als Gegenargument zu den von den Franzosen eingebrachten  gesamteuropäischen  Sicherheitsfonds anführte. Für einen Mann der Wirtschaft wie Funke ist jedoch klar, dass er in einem börsennotierten Unternehmen alle, ob Händler, Aktionäre oder Geldgeber, gleichzeitig in Ad-Hoc Meldungen informieren muss. So werden Klagen und Insidergeschäfte verhindert. Wirtschaft und Politik, zwei Welten, ein Konflikt.

Auch dass auf der anderen Seite Steinbrück wiederholt davon sprach, dass die Bank „abgewickelt“ werde, ist ein großes kommunikatives Missverständnis. Diese Wortwahl führte angeblich nun dazu, dass die HRE in noch mehr Liquiditätsprobleme geriet, da kein Geldgeber einer abzuwickelnden Bank weiteres Geld geben möchte. Steinbrücks Wortwahl gehe auf seine Fachleute zurück und er wollte nicht technokratisch rumschwallen, „wie er es hasst und als Politiker für grundfalsch hält“, so die Süddeutsche. Es gebe sogar Erwägungen seitens der HRE rechtliche Schritte gegen Steinbrück einzuleiten. Das Unverständnis wächst zwischen den beiden unterschiedlichen Denk- und Sprechsystemen. „Dass eine Bank, die wir schützen, anschließend in einen anwaltlichen Briefverkehr mit uns trifft, das prägt“, so der Finanzminister.

Höchste Zeit für ein Konfliktmanagementseminar.




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