Monthly Archive for Oktober, 2010

Insights for Search


Hobbysozialwissenschaftler aller Welt vereinigt Euch und zwar auf der Seite Google Insights for Search. Hier kann man „Sehen, wonach die Welt sucht“ und daraus interessante Thesen ableiten. Google stellt seine seit dem Jahr 2004 gesammelten Daten zur Verfügung. Man kann diese Daten zeitlich und räumlich filtern und Häufigkeiten unterschiedlicher Suchbegriffe entlang der Zeitachse vergleichen.

Nicht nur für Marketingabteilungen der Konzerne ein schönes Instrumentarium, um zu schauen, wie die Suchanfragen vor und nach Kampagnen zu- und abgenommen haben, auch Ökonomen erfreuen sich daran Zusammenhänge mittels der google Daten zu finden. Geben vermehrt Menschen „Jobsuche“, „Stellenmarkt“ oder „Arbeitsamt“ ein, könnte dies ein Indikator für unsichere Jobs und für ein zukünftiges Steigen der Arbeitslosenzahlen sein.

Die Immobilienmarktentwicklung in einem Bundesland lässt sich ebenfalls untersuchen. Man kann ja mal schauen, was dabei herauskommt, wenn die Suchbegriffe Hauskauf, Hausfinanzierung und Immobiliengesuche nach Häufigkeit miteinander verglichen werden. Einzelhändler können die Eingabe der Marken ihrer Produkte vergleichen. Und das herunter gebrochen bis auf die Stadt, in der der Einzelhandel seinem Geschäft nachgeht. Er kann lernen, welche Produkte vermehrt nachgesucht werden und demnach sein Lager einrichten. Geben Suchende die Begriffe „Schluckbeschwerden“, „Schüttelfrost“ oder „Kopfweh“ stark vermehrt an einem bestimmten Ort ein, können wir davon ausgehen, dass es dort bald eine Grippewelle gibt.

Wir wünschen viel Spaß beim Auffinden weiterer interessanter Zusammenhänge.

Konflikt 21

Konflikte gibt es allerorten. Manchmal auch da, wo gebaut wird, ob ein Maschendrahtzaun im sächsischen Auerbach oder ein Bahnhof im schwäbischen Stuttgart. Die Konfliktentwicklung folgt dabei erstaunlich häufig einem bestimmten Muster, das Friedrich Glasl in seiner  Konflikteskalation beschreibt. Innerhalb von 9 Stufen schafft es der Konflikt von noch harmlosen Spannungen und Verhärtungen der Positionen (Stufe 1) zu dem gemeinsamen Abgrund (Stufe 9).

Stufe 1 Verhärtung und Spannungen: Am 3.02. Februar dieses Jahres meldet die Süddeutsche Zeitung, dass “Kritiker des Projekts glauben, dass Stuttgart 21 und die Schnellbahnstrecke viel teurer werden als behauptet.” Rechnungen über Mehrkosten werden angestellt und Gegner des Projektes legen ein kostengünstigeres Gegenkonzept vor. Die Befürworter argumentieren, dass sich die Fahrzeit Innenstadt Flughafen von 27 auf 8 Minuten reduziert, die Fahrzeit Stuttgart Ulm von 54 auf 28 Minuten reduziert. Die Diskussion basiert noch auf Fakten, die eigenen Standpunkte werden verhärtet, die eigene Flexibilität der Sichtweisen ist allerdings bereits eingeschränkt.

Stufe 2 Polarisation und Debatte: Die Worte werden schärfer. „Bei Abriss Aufstand“ hört man auf der einen Seite, auf der anderen kündigt die Bahn den Abriss des Nordflügels bereits für August an.

Stufe 3 Taten statt Worte: Am 26. August besetzen Gegner den Nordflügel. Diese werden wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

Stufe 4 Koalitionen: Diese Stufe verlief im Falle von Stuttgart 21 parallel zu den ersten drei Stufen. Eine Allianz von Gegnern aus Grünen, dem BUND, Architekten und Verkehrsplanern hat das Gegenkonzept Kopfbahnhof 21 vorgelegt. Mehrere Gruppen finden sich zusammen und rufen zu Montagsdemonstrationen gegen Stuttgart 21 auf.

Stufe 5 Demaskierung und Gesichtsverlust: Jetzt geht’s so richtig los! Bei Stufe 5 wird das Denken mehr und mehr abgeschaltet. Stellt man sich die Stufen als Treppe in den Abgrund vor, werden die Stufen kleiner, rutschiger, gefährlicher. Der anderen Seite werden Unredlichkeit, und schlechte Einstellungen und Motive unterstellt. Sich selbst betrachtet man als Wahrer von Werten. Die eigenen Motive sind redlich. Man selbst ist klüger, realistischer und flexibler als die anderen. Hier verstärken sich die psychologischen Mechanismen von Groupthink (mangelnde Objektivität für andere Meinungen, Konformitätsdruck und selektive Wahrnehmung). Natürlich freut es auch unseren Selbstwert, wenn wir so schlau sind und die Gegner so dumm.

Im Falle von Stuttgart 21 ist ja einiges auf dieser Stufe passiert: Die Gegner seien fortschrittsfeindliche Querulanten, Radaubrüder, die sonst nichts zu tun haben oder kriminelle Autonome. Und die Befürworter? Die machen doch nur krumme Geschäfte. Warum wird das denn immer alles teurer? Welche Lobbyisten verdienen denn da noch mit?

Stufe 6 Bedrohung und Stufe 7 Begrenzte Schläge: Die Eskalation mündet in Gewalt. Tatort Schlossgarten. Polizei und Demonstranten geraten aneinander. Laut offiziellen Angaben sind 130 Menschen verletzt, laut Sprechern der Gegner 400.

Die letzten beiden Stufen 8 und 9 Zersplitterung und gemeinsamer Abgrund sind noch nicht erreicht. Das Überschreiten der letzten Stufe wäre, wenn beide Parteien Ihr Ziel nicht erreichen. Wenn es beiden Parteien wichtiger wird, dass der andere vernichtet wird als das man seine eigenen Ziele erreicht. Also in unserem Falle kein Bahnhof und kein Geld für niemanden. Wir hoffen natürlich, dass die Schwaben cleverer sind und deeskalieren.

Eine Deeskalation würde bedeuten wieder auf die erste Stufe zu kommen und wieder miteinander zu reden. Hilfe zum miteinander Reden verspricht der Schlichter Heiner Geißler. Er will, dass alle Argumente, Fakten, Zahlen und Einschätzungen auf den Tisch kommen. Weg von Unterstellungen hin zu sachlogischen Debatten. Wir sind gespannt, wie es weitergeht mit „de schwäbsche Eisebohne”.

TeamCheck Interview

schulwitzBernhard Schulwitz, ausgezeichnet als Fachberater des Jahres durch die Audi AG hat ein Tool entwickelt, das in der Teamentwicklung wertvolle Unterstützung bietet; den TeamCheck. Wir treffen ihn und informieren uns über die Möglichkeiten und die Grenzen des onlinebasierten Instrumentes.

Herr Schulwitz, TeamCheck; was ist das und was soll es bringen?

Der TeamCheck ist ein Analyse- und Messinstrument, welches sehr zielgenau misst, wo ein Team steht und wohin es sich im Laufe der Zusammenarbeit entwickelt. Von daher wird dieses Tool zum Start von Teamentwicklungsprozessen verwendet, um einen schnellen Einstieg in die relevanten Themen zu finden.
Im weiteren Verlauf misst das Tool, ob die gewünschte Entwicklung tatsächlich eintritt. Hierdurch werden zwei Ziele erreicht:
1.)     Die für alle Verbesserungsprozesse unerlässliche Erfolgsmessung findet statt.
2.)     Die einzelnen Mitglieder eines Teams übernehmen selbst deutlich mehr Verantwortung für die Professionalisierung ihres Teams.

Stellen Sie sich beispielsweise ein Team vor, das besser werden möchte, sich aber uneins darüber ist, welche Themen Priorität haben. Der TeamCheck hilft dabei, die Felder aufzudecken, an denen gearbeitet werden muss. Das spart Zeit, schafft Transparenz und beteiligt alle an der Meinungsbildung.

Was passiert dann?

Dann geht es darum, an diesen Themen zu arbeiten. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es Kontinuität braucht, um gute Fortschritte zu erzielen. Wenn dies gewährleistet ist, also einmal jährlich ein oder zwei Tage in die Entwicklung des Teams investiert werden, kann der TeamCheck wichtige Impulse setzen.

Das Ganze funktioniert in folgenden Schritten:
1)    Ein Team möchte seine Zusammenarbeit und Leistung verbessern, also professioneller werden.
2)    Mittels TeamCheck beurteilt jedes Teammitglied das gesamte Team nach bestimmten Kriterien. Das dauert 10 – 15 Minuten und kann überall durchgeführt werden, wo Zugang zum Internet besteht. Es macht Sinn, dies in einer ruhigen Minute abseits des Arbeitsgeschehens zu tun.
3)    Die Ergebnisse werden verdichtet und dem Team präsentiert. Der Ergebnisbericht, der im ganzen Team besprochen wird, enthält Stärken, Entwicklungsfelder und Empfehlungen zu „Prio-Themen“.

Ein weiterer Vorteil: Das Tool ist schnell und bezieht alle mit ein. Die einzelnen Items sind sehr pragmatisch formuliert, damit jeder sofort etwas damit anfangen kann.

Wie ist der Fragebogen aufgebaut?

Die aktuelle Version enthält 23 Items; eingeteilt in 7 Kategorien. Die Kategorien beinhalten alle wichtigen Facetten die Einfluss auf die Qualität eines Teams haben; z.B. Leistung, Stimmung, die wahrgenommene Art der Zusammenarbeit usw.
Auch der Aspekt Führung wird berücksichtigt; darauf liegt aber nicht der Fokus. Das Team konzentriert sich auf die Themen, die es selbst verbessern kann.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Der Klassiker ist das intensive Feedback; also das persönliche Kennenlernen der einzelnen Teammitglieder, um das Vertrauen ineinander zu verbessern. Ein anderes Themenfeld ist beispielsweise mangelnde Effektivität, wenn es keinen gemeinsamen Standard für bestimmte Prozesse gibt. Für ein Autohaus-Serviceteam haben wir z.B. einen einheitlichen Standard für den Erstkontakt mit Kunden erarbeitet. Dieser wird nun gelebt und in regelmäßigen Review-Runden überprüft, um zu sehen, ob er sich bewährt hat.

Wie häufig setzen Sie den TeamCheck ein?

Seit dem Jahr 2000 setze ich in Entwicklungsprozessen verschiedene Mess- und Analysetools ein; den Vorläufer des jetzigen TeamChecks gibt es seit 2004. Etwa 50% der Teams, mit denen ich arbeite, nutzen diese bewährte Form der Unterstützung.

Inwieweit berücksichtigen Sie die individuelle Situation, in der sich ein Team befindet?

Für manche Teams ist es wichtig, eigene Items zu integrieren oder vorhandene zu ändern. Das ist abhängig von der vorliegenden Teamsituation und wird von mir im Vorgespräch angesprochen und mit dem Team abgestimmt.
Manchmal werden auch sehr spezifische Items für bestimmte Teams formuliert und in den Fragebogen aufgenommen. Jedes Team kann seinen eigenen TeamCheck konfigurieren.

Haben wir etwas Wichtiges vergessen?

Spaß an der Arbeit haben, Leistung erzielen und sich immer wieder darauf konzentrieren, besser zu werden. Das halte ich unerlässlich für jedes Team. In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Kontakt zu Bernhard Schulwitz über www.schulwitz-consulting.de




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