Monthly Archive for Dezember, 2010

WikiLeaks – Transparenz und Vertrauen

WikiLeaks beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen: Enthüllungen, geheime Dokumente, Julian Assange, Hacker-Angriffe, Pro und Contra WikiLeaks. Ein Riesen-Hype. Es gibt Hardcore-Gegner, die WikiLeaks am liebsten verbieten wollen, die Handlungsgrundlagen entziehen möchten, oder schlimmeres (Sarah Palin rief zur Jagd auf Assange auf). Und es gibt Hardcore-Befürworter, die WikiLeaks, die absolute Transparenz fordern, welche es auch mit Mitteln des Cyberkriegs zu verteidigen gilt. Die Extrempositionen kommen mir vor wie Reflexe, die entweder auf den Erhalt des Status Quo gerichtet sind (der gestrenge Vater, der sagt „das darfst du nicht!“) oder aber antiautoritär-rebellisch sind (das aufmüpfige Kind, das etwas von der Unterhaltung der Erwachsenen aufgeschnappt hat, das jetzt herumerzählt und sich über die entstandene Aufregung freut).

Allein die Person Julian Assange lädt dazu ein, Position zu beziehen. Seine Anhänger sehen in ihm eine Art Heiland, der von finsteren Mächten verfolgt wird. Seine Gegner sehen in ihm einen Brandstifter, dem das Handwerk gelegt werden muss. Ich meine, ohne Vorurteil können wir feststellen, dass Assange mit einer genialen Idee eine ungeheure Dynamik in Gang gesetzt hat und dass er gerne im Mittelpunkt steht. Er gibt auch deshalb eine gute Projektionsfläche ab, weil er nicht frei ist von Widersprüchen: Anderen zwingt er Transparenz auf, sich selbst macht er zum Geheimnis. Er veröffentlicht gerne die Geheimnisse anderer Leute, aber beschwert sich, wenn etwas über seinen Prozess durchsickert. Oder er verweigert der New York Times die Dokumente, weil die einen kritischen Bericht über ihn geschrieben haben (die NYT hat die Dokumente dann vom Guardian bekommen). Bisher hat WikiLeaks noch keine Geheimnisse aus nicht-demokratischen Ländern veröffentlicht (Josef Joffe: „Er benutzt die offene Gesellschaft gegen sie“). Die Veröffentlichungen richten sich gegen die Macht, schaffen aber eine neue Macht, die zudem viel weniger berechenbar ist. Ob er ein Vergewaltiger ist, das haben Gerichte zu entscheiden. Ich stelle eine Hybris fest: Ursprünglich ging es WikiLeaks um Transparenz, heute scheint es Assange eher darum zu gehen, Institutionen in’s Wanken zu bringen (er wolle demnächst Dokumente von Unternehmen veröffentlichen und dann könnten „ein oder zwei“ amerikanische Banken untergehen) – es könnte aber auch typisch amerikanisches Marketing sein.

Jenseits der Extreme gibt es zum Glück besser reflektierte Positionen und fruchtbare Diskussionen. Denn wir müssen uns schon diese Fragen stellen: Dient das Veröffentlichen von geheimen Dokumenten der Demokratie oder beschädigt es sie? Inwieweit wird hier Vertraulichkeit zerstört? Diese Debatte ist wichtig. Sie betrifft die Kommunikation der Mächtigen genauso wie unser aller Kommunikation. Im Kern geht es bei der Debatte um WikiLeaks um das Verhältnis von Transparenz und Vertrauen.

Ich nehme an, wir sind uns weitgehend einig, dass sowohl Transparenz als auch Vertrauen wichtige Werte sind. Es geht um die Balance. Was sollte transparent sein, was sollte auch geheim bleiben dürfen? Sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Konfliktes oder gar Krieges oder steigt diese Wahrscheinlichkeit? Führen solche Veröffentlichungen zu mehr Offenheit oder zu mehr Paranoia? Welche Informationen sollten geteilt werden, und wo gibt es Grenzen – zum Beispiel in Bezug auf unsere Sicherheit? Selbstverständlich haben wir Gesetze, die den Datenschutz regeln. Aber die Frage nach Transparenz und Vertraulichkeit stellt sich nicht nur Geheimnisträgern, sondern uns allen. Wir alle sind immer wieder vor Entscheidungen gestellt, welche Informationen wir vertraulich behandeln und welche wir mit anderen teilen. Und wenn wir unsere Einschätzungen weitergeben, in welchen Ton wir das tun.

Der Spiegel (wie auch die Blätter New York Times, Guardian, Le Monde und El País) veröffentlichten WikiLeaks-Dokumente und begründen das damit, dass dadurch besser zu verstehen ist, wie die Welt funktioniert. Und sie können sich auf einen Präzedenzfall berufen, nämlich die Begründung für den zweiten Irakkrieg. Die Öffentlichkeit wurde falsch informiert und hätte bei höherer Transparenz den Krieg vermutlich nicht gebilligt. Die Pro-Position lautet:

Die Veröffentlichungen von Wikileaks tragen zu Erkenntnisgewinn und Aufklärung bei. Sie verändern unseren Blick auf die Welt und auf die, die sie lenken. Wir sollten dankbar dafür sein.
(Axel Kintzinger in der FTD)

Die Contra-Position lautet:

Wikileaks zerstört einen Prozess der Meiniungsbildung, ohne den weder Politik noch Alltagsleben gelingen können. Es erstickt damit einen wichtigen Teil demokratischer Kultur.
(Joachim Zepelin in der FTD).

Ulrich Greiner (DIE ZEIT) argumentiert, dass Datenschutz wichtig ist. Wir wollen nicht, dass der Staat oder x-beliebige andere Zugriff erhalten auf unsere persönlichen Daten. Gleiches gelte für Institutionen:

Diskretion schützt auch die Institutionen. Kein Rechtsstaat wäre möglich, wenn jeder Stand der Ermittlungen ruchbar würde; keine wissennschaftliche Arbeit, wenn alle Schritte zu ihrem Ergebnis vorzeitig bekannt würden; und keine gute Zeitung, wenn interne Verständigungen allesamt öffentlich würden.

Greiner plädiert für ein Verständnis unterschiedlicher Rollen, die ihren geschützten Raum brauchen:

Auf dem Spiel steht etwas anderes, nämlich eine kulturelle Errungenschaft: die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Kommunikationsformen und Sprechweisen zu unterscheiden. Der kultivierte Mensch weiß in der Regel genau, welche Worte er unter welchen Umständen zu wählen hat. In seinen vier Wänden spricht er anders als im Büro, am Stammtisch anders als in der Konferenz. Mit mangelnder Aufrichtigkeit hat das nichts zu tun, sondern mit jener Interdependenz, die entwickelte Kulturen immer ausgezeichnet hat. Nur Kinder und Narren plappern überall dasselbe. Alle anderen aber sollten wissen, dass die differenzierte Gesellschaft ein differenziertes Verhalten erfordert. Als Vater muss ich anders sprechen denn als Vorgesetzter und wieder anders als Freund, als Geschäftspartner, als Zeuge, als Kontrahent.

Ähnlich äußert sich Joachim Zepelin in der FTD und schlägt folgendes Gedankenexperiment vor:

Stellen Sie sich vor, jeder Satz, den Sie an einem Tag mit jemandem besprochen haben, würde im Internet stehen: Was Sie über Ihren Kollegen sagen, über Ihre Kinder, einen Wettbewerber oder die lieben Verwandten. Wir brauchen Raum für geschützte Überlegungen, um zu raten und zu beraten, ohne gleich die Betroffenen vor den Kopf zu stoßen.

Zuviel Transparenz zerstört Vertrauen.

Der Sinn der Offenheit besteht darin, dass die Mächtigen sich besser verhalten – und dass wir ihnen stärker vertrauen können. Anstatt sie als Feinde zu betrachten, sollten wir wissen, was sie vorhaben, und vielleicht etwas mehr Mitspracherecht dabei bekommen, was sie tun.
(Esther Dyson in der FTD, 17.12.2010)

Transparenz fördert Vertrauen.

Transparenz zerstört Vertrauen – Transparenz fördert Vertrauen. Beides ist möglich.

Es wird für uns immer eine Herausforderung bleiben, eine Balance zwischen Transparenz und Vertraulichkeit herzustellen. Ich sehe einen dritten Weg zwischen Geheimhaltung und totaler Transparenz: Respektvoll kommunizieren. Respektvoll auch gegenüber nicht anwesenden. Dafür ist ein hohes Maß an kommunikativem Geschick nötig und eine gehörige Portion Empathie. Es wird wohl fast jedem von uns schwerfallen, sich gar nicht mehr abfällig über andere zu äußern (das ist ja auch so schön selbstwerterhöhend und gemeinschaftsstärkend) – ich halte das jedoch zumindest für  eine lohnenswerte Übung für die Entwicklung der eigenen Achtsamkeit. Stellen Sie sich vor, alles was Sie sagen oder schreiben, wird im Internet veröffentlicht: Was würden diejenigen empfinden, über die Sie sich äußern?

Auf den Punkt gebracht – Wie Sie Ihre Ansprechpartner wirklich erreichen

Eine verständliche, sympathische Kommunikation ist die Basis einer harmonischen, konstruktiven und erfolgreichen Kundenbeziehung. Wie Sie es schaffen, diese Basis mit Hilfe einiger wichtiger Grundsätze zu stärken, verrät Ihnen unsere heutige Gastautorin und Telefontrainerin Claudia Fischer.

Den Ansprechpartner telefonisch und menschlich zu erreichen ist die oberste Prämisse bei Telefonverkauf und –akquise. Dabei gibt es viele potenzielle Kommunikationsprobleme, die eine reibungslose Zusammenarbeit erschweren. Hervorgerufen werden sie oft durch divergierende Wahrnehmungen.

Dem wirken Sie entgegen, indem Sie eine Kommunikationsähnlichkeit aufbauen, sich also auf die Art des anderen einlassen und seinen Kommunikationsgewohnheiten weitestgehend entgegenkommen. In vielen Fällen wird Ihnen auffallen, dass der andere vor allem mit einem bestimmten Sinn (re)agiert. Achten Sie deshalb bitte auf seine Ausdrucksweise und passen Sie sich dieser an. Auf diese Weise kommen Sie ihm entgegen, er fühlt sich bei Ihnen verstanden und wohl.

  • Der Augenmensch wünscht „Einblick“ und „Durchblick“. Diesem Typen ist es wichtig, etwas tatsächlich zu sehen. Unterstützen Sie dieses Bedürfnis, indem Sie ihn während des Telefonats auf Ihre Website lotsen oder ihm Unterlagen zur Ansicht zusenden.
  • Der Ohrenmensch wird eher selten etwas in Augenschein nehmen. Viel wichtiger ist es ihm, Ihnen genau zuzuhören und sich durch Ihre Argumente eine Meinung zu bilden. Mit Formulierungen wie „Ich bin ganz Ohr“ kommen Sie diesem Typen entgegen. Der Wunsch, weitere Informationen zugesandt zu bekommen, ist ihm so fremd, dass er ein entsprechendes Angebot von Ihnen schlimmstenfalls als Versuch gewertet wird, ihn „abzuwimmeln“.
  • Der Gefühlsmensch hingegen bedient sich einer besonders bildhaften, emotionalen  Sprache. Er wünscht sich „greifbare“ Angebote, hat bei einem Produkt ein „gutes Gefühl“ oder „Bauchschmerzen“… Auch bei ihm gilt: Arbeiten Sie mit emotionalen Formulierungen und nutzen Sie Vergleiche, um mit ihm denselben „Standpunkt zu haben“.
  • Ihr Gesprächspartner spricht einen anderen Dialekt als Sie? Ihn nachzuahmen – ohne dies zu können – wirkt rasch unnatürlich. Ein paar seiner Redewendungen anzunehmen, kann sehr charmant klingen. Wichtig ist, dass Sie Ihren eigenen Dialekt so reduzieren, dass die von Ihnen gewählten Wörter verständlich sind. (Das schwäbische Wort „schwätzen“ oder das niederbayrische Wort „schmatzen“ für sprechen/unterhalten z. B. ist außerhalb dieser Regionen nur bedingt bekannt.)

Weitere hilfreiche Tipps für erfolgreiche Telefonate finden Sie im Buch „Maximale Telefonpower“ von Claudia Fischer (telefontraining-claudiafischer.de).

Enterprise 2.0 und Kulturwandel

Die Enterprise 2.0 Studie: Konsequenzen für die Arbeitswelt fokussierte vor allem auf die Konsequenzen für die Arbeits- und Unternehmenskultur. Die Ergebnisse liegen vor und zeigen, dass die Implementierung von Enterprise 2.0 Technologien mit einem Kulturwandel einhergeht in Richtung einer offenen Innen- und Außenkommunikation.

Die Kernergebnisse der Studie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen (Quelle: Enterprise 2.0 – Studienergebnisse für Teilnehmer):

  • Viele kennen Enterprise 2.0 – aber nur wenige verstehen es wirklich
  • Insb. seit 2008 sind mehr und mehr Unternehmen in dem Bereich aktiv – aber das vorhandene Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft
  • Es gibt unterschiedliche Enterprise 2.0 Reifegrade – nur „reife“ Enterprise 2.0 Unternehmen erkennen die volle Bedeutung des „Kulturaspekts“
  • Primäres Ziel von Enterprise 2.0 Vorhaben ist die Aktivierung des im Unternehmen vorhandenen Wissens und der kollektiven Intelligenz
  • Kritische Erfolgsfaktoren der Umsetzung – neben dem kulturellen Wandel – sind:
    • Vorleben durch die Unternehmensführung
    • Definition klarer Verantwortlichkeiten
    • Sicherung der Kontrolle

Die Autoren der Studie sind: Wiesbaden Business School (Prof. Dr. Thorsten Petry) in Kooperation mit  Talential, Networx Holding & Hewitt Associates.

Inzwischen wurde ein Folgeprojekt gestartet,  das auf der Basis von tiefergehenden Fallstudien-Analysen untersucht, was Unternehmen im Bereich Enterprise 2.0 ganz konkret machen und wo die Knackpunkte liegen. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten & Unterschiede, (Miss-)Erfolgsfaktoren sowie Best Practices zu ermitteln und zu systematisieren.

Das Forscherteam sucht nach Erfahrungsberichten von Unternehmen mit Enterprise 2.0 (egal ob Frühphase oder bereits weit fortgeschritten, egal ob erfolgreich oder bisher noch nicht). Wenn Sie Interesse haben, wenden Sie sich bitte an die Wiesbaden Business School oder an mich – ich nenne Ihnen dann einen Ansprechpartner.

Kunden wollen kein Fach-Kauderwelsch

3D Character and Question MarkWeil IT-Berater häufig nicht in der Lage sind, ihre Fachbegriffe verständlich zu erläutern, verzichten viele Mittelständler auf sinnvolle Software und Technik (enable 12/2010, Beilage der heute erschienenen FTD)

Eine Studie des DIKMU (Deutsches Institut für kleine und mittlere Unternehmen) kommt zu dem Ergebnis:

IT-Anbieter wollen hingegen viel zu oft eine technische Maximallösung und nicht das für den Betrieb Sinnvolle verkaufen – ein böser Fehler! Wird dann das Angebot auch noch mit IT-Fachbegriffen und Anglizismen durchseucht, winken die Unternehmer oder ihre Entscheider nur noch erschreckt und verärgert ab, obgleich die Erneuerung den Unternehmen erhebliche Optimierungschancen böte.

Kommunikation paradox: Eigentlich wollen die Berater verkaufen, doch sie vergraulen die potenziellen Kunden. Komplizierte Begriffe führen zu Unverständnis und so kann kein Vertrauen augebaut werden. Der verunsicherte Kunde kauft nicht.

Das Problem ist nicht, dass der Kunde keinen Bedarf hätte, oder dass der Anbieter das falsche Produkt anpreist. Wir haben hier ein klassisches Kommunikationsproblem. Und das wiederum nehmen viele nicht wahr, da es zwar viel Geld kosten kann, aber nicht in der Bilanz auftaucht. Mein Tipp für Unternehmen mit Weitsicht: Hier besteht Potenzial für einen Wettbewerbsvorteil!




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