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Interview (5.1): SCiOPOS > Wissen, was man kann!

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Ich habe Paula Bemmann zum Gespräch getroffen. Paula Bemmann ist Geschäftsführerin der HSK Deutschland und Expertin für Personalauswahl und Potentialaussagen. Bei der HSK gelangt hierfür das Instrument SCiOPOS zum Einsatz, ein computergestütztes, integratives Expertensystem.

Sie hat mir so viel Spannendes dazu erzählt, dass wir kurzerhand entschlossen haben, das Interview in zwei Artikel aufzuteilen. Heute und hier Teil 1:

Frage > Welche Faktoren können mit dem Expertensystem SCiOPOS erhoben werden?

Das Expertensystem SCiOPOS umfasst sowohl kognitive Leistungstests (z.B. zur Erhebung sprachlicher, numerischer oder technischer Fähigkeiten) als auch Persönlichkeitstests (die beispielsweise Führungsqualitäten, soziale Kompetenzen oder Belastbarkeit analysieren).

Der Auftraggeber erhält durch eine SCiOPOS-Potenzialanalyse ein detailliertes Bild einer Fach- oder Führungskraft hinsichtlich ihrer

Fähigkeiten und Fertigkeiten
z.B. Auffassungsgabe; Sprachliches Abstraktionsvermögen

Persönlichkeitseigenschaften
bezogen auf die Stabilität: z.B. Selbstbeherrschung
bezogen auf soziale Kompetenzen: z.B. soziale Anpassungsfähigkeit
arbeitsbezogene Eigenschaften: z.B. Organisation und Gründlichkeit
personenbezogene Eigenschaften: z.B. Ehrgeiz

Führungsqualitäten
z.B. Entscheidungsfähigkeit; Fähigkeit, andere zu motivieren

Arbeitsstil und Belastbarkeit
z.B. Genauigkeit, Umgang mit Stress
Stärken und Potenziale, aber auch Begrenzungen
z.B. hohes systematisches und geplantes Vorgehen, starkes Sicherheitsbedürfnis

Karriere-Treiber und Bedürfnisse
z.B. finanzielle Orientierung und Status

Persönliche Entwicklungspunkte
z.B. emotionale Steuerung, Übernahme von Verantwortung

Frage > Welche Faktoren haben mit Kommunikation zu tun und wie werden sie erfasst?

Menschen, die von anderen als kommunikativ empfunden werden, zeichnen sich besonders durch folgende Persönlichkeitseigenschaften aus:
• Offenheit und Extraversion,
d.h. die Fähigkeit, offen auf andere zuzugehen sowie das Bedürfnis, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen;
• Fähigkeit, zu unterhalten,
d.h. anderen Menschen sympathisch zu sein, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sie zu unterhalten
sowie
• Erklärungs- und Überzeugungsfähigkeit,
d.h. das Vermögen, seine Gedanken und Themen deutlich, zielorientiert und überzeugend darzu¬stellen.

Kommen Sozialkompetenz und verbale Fähigkeiten hinzu, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person auch erfolgreich mit ihren Mitmenschen kommunizieren kann. Hierunter fallen z.B.:
• Einfühlungsvermögen (Empathie),
d.h. die Fähigkeit, Emotionen und Probleme anderer korrekt nachzuvollziehen und richtig einzu¬schätzen;
• Soziale Anpassungsfähigkeit,
sie definiert die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der sich eine Person einer neuen Gruppe anpasst und angemessene Beziehungen zu anderen aufbaut und beibehält
und
• Sprachbeherrschung und verbales Abstraktionsvermögen,
hierunter wird die Fähigkeit verstanden, mit einem umfangreichen Wortschatz komplexe sprachliche Aussagen analysieren, interpretieren und weiter¬geben zu können

Diese Aufzählung enthält die Faktoren, die im engeren Sinne mit Kommunikation zu tun haben. Die allgemeinen intellektuellen Fähigkeiten, die Auffassungsgabe, Flexibilität und Belastbarkeit, aber auch die Selbstbeherrschung und Ausstrahlung leisten ebenfalls einen maßgeblichen Beitrag, in den verschiedensten Situationen adäquat und möglichst erfolgreich zu kommunizieren.

Der Ausprägungsgrad einer Persönlichkeitseigenschaft einer Person wird durch deren Beantwortung von mehreren vorgegebenen Aussagen erfasst. Der Bewerber oder der Mitarbeiter kreuzt in den Persönlichkeitstests an, wie zutreffend die dargebotenen Feststellungen auf seine Person sind. Da es sich hierbei um Selbstaussagen handelt und Kandidaten oder Mitarbeiter in Bewertungssituationen in der Regel versuchen werden,
sich etwas besser darzustellen (Facking good), überprüft das Expertensystem SCiOPOS die Antworten darauf, wie konsistent sie über die Gesamtheit aller Aussagen ausfallen und wie stark jemand sozial erwünscht geantwortet hat.

Die Ausprägungen der verbalen Fähigkeiten werden mit psychologischen Leistungstests erhoben, indem zu vorgegebenen Wörtern beispielsweise Synonyme gefunden oder zu dargebotenen Wortpaaren diejenigen Wortpaare zugeordnet werden müssen, die durch die gleiche Gesetzmäßigkeit verbunden sind.

Frage > Kann man sagen, welche Berufsgruppen besonders diese Faktoren benötigen und wenn ja, welche?

Besonders stark werden die eben angeführten Eigenschaften und Fähigkeiten in Jobs mit direktem Kundenkontakt oder an internen und externen Kommunikationsschnittstellen benötigt, z.B. im Verkauf, Vertrieb, Marketing- und PR-Bereich. Aber auch für Trainer, Coachs, Berater oder für Lehrer trägt eine gute Kommunikationsfähigkeit zum beruflichen Erfolg bei. Führungskräfte, die sozial kompetent kommunizieren können, erreichen eine stärkere emotionale Bindung ihrer Mitarbeiter an das Unternehmen und damit eine höhere Motivation. Je nach Berufsgruppe oder Branche schwanken die Ausprägungsgrade dieser Faktoren und benötigen u.U. weitere Eigenschaften für den Berufserfolg.

…und morgen mehr!

Kritische Ja-Sager

Portobello Market Tin Soldiers by Gerald Petersen (cc)Eine Studie von mehr als 2000 Gutachten aus Potenzialanalysen und Management-Audits im mittleren Führungsbereich hat eine ganze Reihe von Soft Skills ausgewertet. In den Interviews wurde nach unternehmerischer Handlungs-, Umsetzungs-, Persönlichkeits- und Sozialkompetenz gefragt, es wurde aber auch auf persönliche Motive und Werte der Kandidaten eingegangen (FTD Köpfe und Karriere, Management, Hervorhebungen nicht im Original).

Wir haben es im mittleren Führungsbereich mit einer weit auseinandergehenden Schere zwischen Denken und Handeln zu tun. Es gibt eine große Mehrheit des von uns analysierten Personenkreises, der mit den Entscheidungen des Topmanagements auf breiter Linie nicht einverstanden ist.

… Führungskräfte der mittleren Ebene ducken sich also lieber weg, wenn das Einstehen für die eigene Position gefragt wäre. … Konflikten mit dem Chef wird lieber ausgewichen. … Die Mehrheit der Führungskräfte passt sich der Meinung des Vorstands an und führt folgsam aus, was von oben vorgegeben wird.

Es herrscht also in weiten Teilen des deutschen Managements eine Gehorsams- und Anpassungsmentalität. Das Beweisen von Rückgrat ist nicht die Stärke der derzeitigen Mittelmanager. Die Kritik an Verhalten und Handeln ihrer Vorgesetzten vonseiten der Führungskräfte im Mittelbau ist zwar heftig, wird aber eher hinter vorgehaltener Hand artikuliert.

Soweit die Studie. Die Manager sind im Geiste kritisch, aber im Verhalten Ja-Sager: Kritische Ja-Sager.

Ich leite daraus ab, dass den Managern bestimmte kommunikative Kompetenzen fehlen. Die mittleren Manager sehen sich nicht in der Lage, Ihre Gedanken und Ihre Kritik offen zu äußern und gleichzeitig die Beziehung zum Vorgesetzten nicht zu beschädigen. Da verbiegen sie sich lieber. Gefordert sind hier Kompetenzen, die es ermöglichen, die eigenen Standpunkte darzulegen, ohne dass der andere dies als Ablehnung der Person wahrnimmt.

Ich kenne die Einwände: „Das ist nicht möglich!“ „Das sind doch Arschlöcher!“ „Die müssen bei sich selbst anfangen!“ usw. Da ist etwas dran – die oberste Führungsriege muss nicht nur Kritik zulassen, sondern sollte Offenheit aktiv unterstützen. Aber die zitierten Einstellungen sind Teil des Problems. Betrachten Sie sich lieber als Teil der Lösung. Es liegt (nicht nur, aber auch) an Ihnen. Warten Sie nicht darauf, dass sich der Vorgesetzte ändert. Ändern Sie Ihr eigenes Verhalten.

Was könnte es für unsere Wirtschaft bedeuten, wenn Manager klarer nach oben kommunizieren, und zwar so, dass die Beziehung intakt bleibt? Die Qualität der Entscheidungen würde steigen, aufgrund der höheren Durchlässigkeit für relevante Informationen. Gleichzeitig würden die Entscheidungen auch viel besser nach unten kommuniziert und umgesetzt, aufgrund der besseren Einbeziehung. Betriebswirtschaftlich und gesamtwirtschaftlich ist das ein Riesen-Potenzial.




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