Shannon Weaver ist nicht Steinbrück Funke!

Mit dem Kommunikations-Modell von Shannon und Weaver beginnen häufig Kommunikationsseminare. Für diesen Bedarf kann man das ursprünglich nachrichtentechnische Modell so interpretieren, dass der Sender, wenn er eine Botschaft abschickt doch bitte reflektieren soll, wer der Empfänger ist. Anschaulich kann man Missverständnisse zwischen Sender und Empfänger machen, wenn der eine ein Betriebswirt ist und der andere ein Ingenieur. Unterschiedliche Denkweisen, unterschiedliche Ausbildungen, ganz anderes Vokabular und womöglich entgegen gesetzte Zielvorstellungen prallen aufeinander. Rendite hier, Wirkungsgrad dort.

Aktuell prallen zwei andere unterschiedliche Empfänger- und Senderwelten im medialen Ring aneinander. Die Politik verkörpert von Peer Steinbrück und Angela Merkel in der linken Ecke und die Finanzwirtschaft vertreten von Georg Funke noch Chef  der Hypo Real Estate in der anderen. Dass sie sich nicht so gut leiden können, liegt wohl an ein paar Milliarden mehr oder weniger, aber sicherlich auch an den unterschiedlichen Kommunikationsstilen und –gewohnheiten.

Dass das erste Rettungspaket der HRE platzte, davon erfuhr Steinbrück und Merkel laut der Süddeutschen Zeitung per SMS. Beide Politiker wunderten sich, „warum haben die uns nichts gesagt?“ Für Merkel war das besonders peinlich, da sie gerade das erste Rettungspaket vor ihren G7-Kollegen als vorbildlich lobte und als Gegenargument zu den von den Franzosen eingebrachten  gesamteuropäischen  Sicherheitsfonds anführte. Für einen Mann der Wirtschaft wie Funke ist jedoch klar, dass er in einem börsennotierten Unternehmen alle, ob Händler, Aktionäre oder Geldgeber, gleichzeitig in Ad-Hoc Meldungen informieren muss. So werden Klagen und Insidergeschäfte verhindert. Wirtschaft und Politik, zwei Welten, ein Konflikt.

Auch dass auf der anderen Seite Steinbrück wiederholt davon sprach, dass die Bank „abgewickelt“ werde, ist ein großes kommunikatives Missverständnis. Diese Wortwahl führte angeblich nun dazu, dass die HRE in noch mehr Liquiditätsprobleme geriet, da kein Geldgeber einer abzuwickelnden Bank weiteres Geld geben möchte. Steinbrücks Wortwahl gehe auf seine Fachleute zurück und er wollte nicht technokratisch rumschwallen, „wie er es hasst und als Politiker für grundfalsch hält“, so die Süddeutsche. Es gebe sogar Erwägungen seitens der HRE rechtliche Schritte gegen Steinbrück einzuleiten. Das Unverständnis wächst zwischen den beiden unterschiedlichen Denk- und Sprechsystemen. „Dass eine Bank, die wir schützen, anschließend in einen anwaltlichen Briefverkehr mit uns trifft, das prägt“, so der Finanzminister.

Höchste Zeit für ein Konfliktmanagementseminar.


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