Abwrackdenken!

king and queen of the junk yard by iboy_danielGestern habe ich einen schönen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gelesen. Marion Trimborn erklärt uns, warum wir Deutschen die Abwrackprämie so lieben. Das vorneweg, das meiste erklärt sich mit den irrationalen Prinzipien unseres scheinbar so rationalen Denkens.

„Neuroökonomen haben herausgefunden, dass ein Rabatt auf das Gehirn eines Menschen wie eine Prise Kokain wirkt“ schreibt die Autorin. Die tatsächliche rationale Abwägung gelangt außer Kontrolle. Erkennbar auch an den fieberhaft sammelnden Paybackpunktenabhängigen, die lieber ein Produkt teurer in einem Warenhaus kaufen dafür aber 10-fach Punkten dürfen, anstatt das gleiche Produkt im Discounter weitaus billiger, aber dafür ohne Punkte zu erwerben. Häufig kämen die Konsumenten bei den Discountern in Summe günstiger davon, aber ohne den Kick des Dopamins, ein Schnäppchen geschlagen zu haben, macht das Einkaufen eben keinen Spaß.

Als zweiten Grund für die Hingabe zu der Abwrackprämie führt Trimborn die künstliche Verknappung an. Die Prämie ist zunächst auf 600.000 Fahrzeuge begrenzt und läuft nur dieses Jahr. Das kennen wir auch vom Jahrmarkt, wenn jeden Tag das Schild „Nur heute kosten die Lose 1 €“ vor dem Stand hängt. Nur nichts verpassen schreit das Hirn, los schnell hamstern.

Und nun kommt auch noch die Bequemlichkeit ins Spiel – der dritte Grund für Trimborn. Womöglich würden wir für manches Auto, das da in die Schrottpresse gelangt noch mehr als 2.500 € bekommen, „aber das Feilschen liegt den Deutschen nicht“ wird die Verhaltensforscherin Gröppel-Klein zitiert. Lieber wird das Auto einfach bei dem Händler abgestellt und der Preis ist klar als noch über Internet oder Kleinanzeigen einen Käufer zu suchen.

Schließlich und viertens ist es das gute Gefühl, das uns in die Autohäuser der Republik zieht. Trimbond schreibt:

„Der Weg ins Autohaus wirkt auf manchen Konsumenten so, als würde er den vielen schlechten Nachrichten der Wirtschaft trotzen… Am Steuer des neuen Wagens sieht die Welt gleich viel weniger düster aus.“

In diesem Sinne, gute Fahrt in die neue Woche. Weitere dieser Prinzipien finden Sie übrigens in dem Buch Humanomics von Uwe Jean Heuser.

5 Responses to “Abwrackdenken!”


  • Da wird halt das Belohnungszentrum angesprochen. Außerdem ist es viel interessanter wenn man sich erst für den Erfolg anstrengen muss.

  • Lustig finde ich auch dass anscheinend viele Leute ihr Auto abwracken lassen obwohl es noch viel mehr als die 2500 wert ist.
    Da ist das Motto wohl: hauptsache Geld vom Staat kassiert :-)

  • Das ganz Prinzip der Abwrackprämie ist irgendwie geheuchelt – das Geld wird schlicht hin und her geschoben, die Mehrwertsteuer, die der Staat für einen Neuwagenkauf kassiert ist nämlich auch kein schlechter Ausgleich für die verbrannten Steuergelder. Was passiert 2010/12011 – dann geht die Talfahrt erst so richtig los. Grundsätzlich nervt das Schnäppchengehabe der Deutschen mich sowieso sehr, alleine der Satz “Geiz ist geil” macht die meisten so heiß, das sie automatisch von einem Kampfreis ausgehen, nur einmal kurz mit dem UVP des Herstellers vergleichen und denken: JA, 20% gespart…

  • Es ist wohl auch etwas die bekemlichkeit die, die Leute dazu “zwingt” ihr auto einfach abwracken zu lassen. Bzw. durch die viele werbung die dafür gemacht wird spricht es die meisten eher an als es zu verkaufen. Trotzdem muss ich noch etwas anderes dazu ergänzen, nur die älteren und etwas wohlhabenden Leute nutzen diese Abwrackprämie, da die jungen sich ja auch nicht mit den 2500€ zusätzlich einen Neuwagen leisten können und gerade bei dennen wäre es ja durchaus sinnvoll gewesen. Aber dieses Problem sieht immer niemand, die die wirklich in der Krise stecken bekommen nichts, nur die die es auch so schaffen würden erhalten noch mehr “Zuschüsse”.

  • Ja da schreibt mal jemand oder besser gesagt er erklärt die Wirtschaftskrise des normalen Menschen und deren Hilfspakete. Abwrackprämie, Punkte sammeln, Gutscheine aller Art einlösen ist das neuste und wird ohne Gemecker gemacht. Wirklich helfen tut es nicht, aber ohne den Glauben daran wäre es auch nicht gut.

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