Kommunikation rund um die Weltmeisterschaft

„Wo sind meine Experten?“ fragt Peter Großmann unterwegs mit dem Morgenmagazin durch Südafrika. Gerald Asamoah und Nia Künzer kommen angewackelt und werden befragt, wie das Spiel gestern war („knapp“, „stand auf der Kippe“, „hätte auch anders laufen können“) und wie das Spiel gegen die Engländer wohl wird („schwer“, „ein Klassiker“, „viel Brisanz“). Allerweltsfragen und Allerweltantworten von Allerweltsexperten. Schaltet man auf n-tv um, sieht man den ewigen Calli Calmund (zigtausend fache Selbstbeschreibung „ein positiv Bekloppter“), wie er sagt, dass das Spiel gegen England schwer wird, aber ja auch ein Klassiker sei und alles passieren kann. Olli Kahn wird das sicherlich heute auch noch mal sagen. Vielleicht rudert er wieder mit dem rechten Unterarm und setzt nach einem „da musst Du…“ mit jedem Ruderer noch ein „…in die Zweikämpfe gehen“, ein „…beißen“, ein „…Gras fressen“, ein „…von der Körpersprache ausstrahlen, ich will gewinnen“ dahinter. Herr Delling und Herr Netzer werden sich in ihren Ruhestand frotzeln, vor der Kamera siezen und dahinter duzen. Wirklich lustig ist Mehmet Scholl. Er versucht nicht krampfhaft den Experten zu mimen, sondern lässt viel seiner ureigenen Emotionen (weigert sich Worte über Diego Milito zu verlieren und klickt ihn auf dem Touchscreen sofort wieder weg) und Gedanken („warum hat Kapitanos nicht die Binde bekommen, als er eingewechselt wurde?“) zu.

Und wie ist so die Außendarstellung von Mannschaften und Trainer. Da geht ja auch einiges drunter und drüber. Muss man da noch einmal die Franzosen erwähnen? Anelkas Verbalentgleisung, die bekannt wird, Cliquenbildungen, Trainingsstreik und -streit, Rücktritt des Teamdirektors, Einschaltung der Politik und Taktikbesprechungen ohne den Trainer. Auch bei Ghana sollte ein Spieler nach Hause geschickt werden. Die Mannschaft setzte sich angeblich für Muntari ein, so dass er noch im weiteren Tunierverlauf eingewechselt werden kann. Der ehemalige Kapitän der Engländer John Terry möchte unbedingt, dass Joe Cole spielt, macht einen Putschversuch gegen den Trainer Capello und entschuldigt sich kleinlaut. Bleibt zu hoffen, dass sich Terry nicht Frau Capello nähert.

Nur unsere Jungs sind so brav. Da rastet keiner aus. Haben die nicht das Buch „Anpfiff“ von Toni Schuhmacher (ein weiterer Morgenmagazinexperte) gelesen. Darin gibt es tolle Hinweise, wie man im WM-Lager die Nacht zum Tage machen kann. Aber kann man sich Philipp Lahm vorstellen, wie er sich betrinkt und ausbückst und moralisch verwerfliche Dummheiten macht. Mal sehen, ob es der DFB-Tross weiterhin versteht, ein Bild der deutschen Spieler zu transportieren, die alle manierlich und trotzdem selbstbewusst sind. Gegen England drücken wir natürlich besonders die Daumen. Das ist nämlich ein Klassiker und schwer wird es auch!


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