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… und ständig tickt die Selbstwertbombe

... und ständig tickt die SelbstwertbombeWie viele persönliche Probleme werden in den Arbeitsalltag mithineingetragen? Vermutlich eine große Menge. Um wie viel einfacher ist die Arbeit, wenn man sich selbst ziemlich in Ordnung findet ohne überhebliche Arroganz auszustrahlen? Wie viel Mühe und Anstrengung kostet jedes Gespräch, jeder unvermeidliche berufliche Konflikt, wenn das eigene Selbst ständig in Frage gestellt wird?

Woher kommen all diese Selbstzweifel und was kann der Zweifelgeplagte dagegen machen? Das sind Fragen, die Harlich H. Stavemann in seinem gerade erschienen Hörbuch  „… und ständig tickt die Selbstwertbombe: Selbstwertprobleme erkennen und lösen“ beantwortet.

Dysfunktionale Selbstkonzepte entstehen häufig durch Pauschalisierungen.  Dann verallgemeinern Selbstwertbestimmungen die Konsequenz von singulären Ereignissen.

Wenn ich die Prüfung nicht schaffe, bin ich nichts wert.
Wenn mir bei dem Vortrag niemand zuhört, dann bin ich nicht interessant.

Andere Selbstwertbestimmungen entstehen durch die Vorstellung, was dritte machen oder wollen. Dadurch macht sich derjenige mit einem dysfunktionalen Selbstwert abhängig von anderen und hat sein eigenen Selbstwert nicht mehr unter Kontrolle:

Ich kann niemanden etwas bieten.
Die anderen sind stets viel cleverer als ich.
Ich kann mich bei anderen nie durchsetzen.

Stavemann beschreibt ein mögliches  Umlernen solcher schädlichen Selbstwertbestimmungen und bedient sich dabei der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei rät er typische Problemsituationen zu sammeln, in denen das negative  Selbstkonzept aktiviert wird und einem gewünschten Verhalten im Wege steht. Dann werden neue, passendere Selbstwertbestimmungen entwickelt. Also unter anderem vormals starre und schädliche Selbstwertbestimmungen in veränderbare Konzepte überführt. Folgende Beispiele werden genannt:

Ich bin ein Versager – Ich habe in dieser Situation versagt.
Ich bin ein Angsthase – Ich habe mich davor  gefürchtet.
Ich bin das allerletzte – Das mag ich nicht an mir.

Im Geiste sollen dann Situation mit dem neuen Selbstkonzept durchgespielt werden. Dabei wird ein inneres Drehbuch angelegt. Steht das, geht es zu den Life-Übungen. Hierfür stellt der Autor einen 7-Schritte Plan dar:

1.    Sorgfältige Vorbereitung der Life-Übung.
2.    Konkrete Übungsplanung und gezieltes Herangehen
3.    Das innere Drehbuch beachten.
4.    Notfalls Gedankenstopps einlegen.
5.    Zeit für die Selbstreflexion nehmen.
6.    Übung zu Ende führen.
7.    Nachbereitung und Bewertung der Übung.

Das Hörbuch ist insgesamt gut aufgebaut und deckt die wesentlichen Erkenntnisse der Selbstwertproblematik ab. Natürlich ist das Hören ein guter Anlass auch mal wieder über seine eigenen Selbstkonzepte nachzudenken.

Gestört haben mich einige zähe Stellen, in denen Selbstverständlichkeiten lange ausgebreitet werden.  Die mittlerweile erwachsene MTV Generation und die aktuelle ADHS Generation hätten unter Umständen das ein oder andere Mal vorgespult und würden so auf ihren Selbstwertproblemen sitzen bleiben.

Mit Misserfolgen umgehen

Die Managementliteratur belehrt uns, dass Misserfolge gleich wie Erfolge als Lernerfahrungen genutzt werden sollen. Was würde ich in einer ähnlichen Situation anders machen, persönliche Verantwortungsübernahme für den eigenen Anteil des Misserfolges und das tatsächliche Umsetzen der neuen Erfahrung.

Das ist natürlich alles gut und schön und soweit richtig. Aber, was ist mit dem Moment des Realisierens: Hier läuft was falsch, hier komme ich nicht weiter, das ging in die Hose. Wie gehe ich denn damit um?

In der von Jürgen Hellmann inszenierten irrsinnigen Geniestreichs-picke-packe-vollen Abfahrt Kill your Darlings, spricht Tyler Durden die Worte: „Das Wichtigste beim Hinfallen ist das Hinfallen!“ Das widerspricht dem gängigen Kalendarspruch der Wichtigkeit des Wiederaufstehens und entspricht dem Gedanken des schlauen Leander Haußmann Interviews bei Thadeusz: Scheitern ist Entertainment. Scheitern aushalten und genießen. Nicht Angst vor Bewertung von außen zu haben, Erwartungen zu enttäuschen, sondern eine andere, weitere Erfahrung. Der Moment selbst wird umgedeutet.

Welche ursprüngliche Kraft im Moment des Scheiterns selbst ist, die alle Panzer und Zwangsjacken  des „So muss ich sein“ durchbricht, veranschaulicht uns die zauberhafte Greta Gerwig in dem Arcade Fire Video Afterlife. Die Beziehung scheitert und Greta tanzt.

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Allen Lesern ein frohes Fest und ein erfolgreiches Jahr 2014. Falls doch der ein oder andere Misserfolg sich einschleicht wünschen wir einen tänzerischen Umgang damit.

Schwarzer Gürtel für Trainer

Schwarzer Gürtel für TrainerSchwarzer Gürtel für Trainer“ – ganz ehrlich, beim Lesen des Titels habe ich gedacht „Pfff, da werden Seminarsituationen krampfhaft in Kategorien gepresst und wahrscheinlich noch mit fernöstlichen Weisheiten garniert, die toll klingen, aber auch nichts damit zu tun haben.“ Und dann lese ich dieses erfrischende Vorwort von Jürgen Schulze-Seeger, das all den befürchteten Krampf mit einer Leichtigkeit hinwegfegt, so dass die Vorfreude auf das Buch rasant ansteigt:

„Das Buch ist aufgebaut wie die Stufen einer fernöstlichen Kampfkunst. Vom ersten weißen bis zum fünften schwarzen Gürtel. Das ist natürlich Humbug – aber ein, so hoffe ich, unterhaltsamer und einprägsamer.“

Toll, oder? Eine Kategorisierung finden, sie selbst als Humbug zu bezeichnen und ich als Leser fühle mich erleichtert und habe trotzdem eine Orientierung. Das muss man erst mal hinbekommen.

So schön und clever geht es auch weiter. Das liegt zunächst an dem kurzweiligen und direkten Schreibstil. Andererseits wimmelt es so vor tatsächlichen echten – für mich neuen – Tipps. 0815 Tipps, die mal eben zusammengeschrieben sind, gibt es nicht. Geistreiche, erfrischende Ideen werden mit ausführlichen Beispielen verbunden. Ob das bei der Gestaltung der Agenda („Ein professionell gedrehter Filmtrailer kündigt die Inhalte des Seminars an wie in einer Kinovorschau“), der Etablierung von Spielregeln (Wie schaffe ich es, dass die Telefone während des Seminars tatsächlich abgestellt und die Teilnehmer voll präsent sind?) oder dem prallgefüllten Methodenkoffer für Trainer (u. a. Design Thinking, Future me, Graphic Recording, Improtheater, Key Focus oder Mäeutik) ist. Mindestens eine Inspiration pro Seite.

Viele schöne Geschichten (echtes Storytelling, also) lesen wir bei den Kapiteln, die den Umgang mit schwierigen Teilnehmern und schwierigen Situationen behandeln. Das Buch könnte hier auch Confessions of a Trainer heißen. Sie erzählen unglaublich offen von Missgeschicken des Autors im Seminarbetrieb oder falschen Haltungen gegenüber Teilnehmern. Fernab von einer „I know it all“-Haltung. Ganz im Sinne der Souveränität 2. Ordnung  Schulz von Thuns.

So wohltuend und lehrreich, dass ich schon bald beim Lesen gedacht habe: „Ein ideales Weihnachtsgeschenk für meine Trainerkollegen.“ Die können sich jetzt drauf freuen.

House of Lies

Was wird nicht alles be- und ausgeleuchtet in amerikanischen Fernsehserien: Anwälte, das Familienleben von Mafiosis, krebskranke Chemielehrer, die Chrysal Meth kochen und verkaufen, amerikanische Präsidenten und deren Beraterstab. Jetzt also auch Unternehmensberater, ihr arbeiten und Lifestyle. „House of Lies“ macht das für uns.

Im Mittelpunkt der Serie steht der eloquente und Maßanzug tragende Marty Kaan, der mit seinem Team jede Woche zu unterschiedlichen Unternehmen fliegt, um möglich viel After Work zu generieren. After Work sei das eigentliche Ziel der Consultants. Es bedeutet die Kunden glauben zu machen, dass ihr Business ohne die Beratung den Bach runter geht. Der einzige Weg, den Niedergang zu verhindern, ist es, die Consultants Woche für Woche wieder und wieder zu buchen.

Wie das erreicht wird, soll die Show zeigen. Marty Kaan lehrt uns: „Schmeichel dem Kunden“, „Frag die Kunden, was sie denken“ und „Benutze nicht verständlichen Jargon“. So ähnlich wusste das schon der Industrielle Hans Immer in „Didi der Doppelgänger“, der mit den drei Floskeln „Ich brauche mehr Details“, „Schreiben Sie es auf – ich beschäftige mich später damit“ und „Das ist nur Ihre Meinung“ seine Firma führte. Womit ja auch bewiesen wäre, dass Consultants auch nur das abgeänderte Wissen als State of the Art verkaufen, was Unternehmer bereits in den 80ern wussten.

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Der Charakter des Marty Kaan ist vielschichtiger als das Stereotyp Unternehmensberater zunächst hergeben möchte. Er ist Bösewicht und Held zugleich. Einerseits umtrieben und getrieben, alles für den Auftrag und die Billable Hours zu machen und andererseits leiden wir mit ihm, wenn Erniedrigung und Demütigung durch eine feindliche Übernahme droht.

Es macht irren Spaß den Schauspieler Don Cheadle zuzuschauen. Wie er bei seinen Aufträgen auf Wolken tanzt und ein schier unglaubliches Repertoire an Gesichtsausdrücken zum Besten gibt, ist eine helle Freude. Das kann man von den meist eindimensionalen Nebenrollen leider nicht sagen. Ein Havard-Nerd, den man so oder so ähnlich, schon 100-mal gesehen hat, der zu unrecht selbstverliebte und demnach sich selbstüberschätzende want-to-be Womanizer in britischem Outfit, eine hypersexualisierte sinnentkorkte Ex-Frau und ein Chef, der mit einem Großteil der weiblichen Belegschaft schläft. Die Kurzcharakterisierungen verraten es. Sex spielt eine große Rolle hier. Warum, ist nicht immer ganz ersichtlich.

Insgesamt tatsächlich nett anzusehen, dank dem mighty Marty Kaan, dessen Charakter auf das Buch des ehemaligen Booz Allen Hamilton Consultant Martin Kihn „House of Lies: How Management Consultants Steal Your Watch and Then Tell You the Time“ basiert. Ok, aber Didi der Doppelgänger ist natürlich besser.

Authentizität und Phantasie

„Authentizität und Phantasie sind in dieser Stadt enge Gefährten“ schreibt die Washington Post über die zurzeit geschlossene Hauptstadt der USA. Genial, oder? Höre ich über Authentizität oder authentische Führung, so fallen mir Integrität, Einfluss, Impact, Transformation und all das ein. Und dann in der Stadt, in der die Führung zu Hause ist, genau da – und jetzt verlassen wir uns nur auf die kleine Quelle der Washington Post – genau da ist das Authentische verknüpft mit der Phantasie.

Der Wunsch wohnt ja inne, wenn ich authentisch bin, dann bin ich nah an einem Idealbild, ich meistere die Dinge souverän, bin charmant, finde in den richtigen Momenten die richtigen Worte. Wenn das nicht funktioniert und die Realität lehrt uns, Freund da gibt es Grenzen, blüht die Phantasie. Horvath würde seufzen: „Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.”

Wer gar nicht mehr dazu kommt, jemand Integres, Echtes, Respektables zu sein, aber mit einer emotionalen Kampagne nach der anderen nach Respect und Fair Play schreit sind die internationalen Fußballverbände. Wäre die FIFA ein Mensch dann wäre er ein träger, fetter, alter Mann, der zu viel isst und trinkt, der schreit, er sei so authentisch, und dann muss er doch wegen multipler psychischer Krankheiten mit starken Medikamenten behandelt werden. Wenn ich nicht das bin, was ich die ganze Zeit vorgebe zu sein, dann verschiebt sich die Seele übel, mein lieber Herr FIFA.

Und natürlich ist es langweilig, die FIFA zu kritisieren; in jedem Artikel, den man über sie liest quellen die Wörter „Korruption” und „Ausverkauf des Fußballs” aus den Rändern der Zeitung über. Aber wer sich der Verantwortung entziehen will, wenn Menschen im 21. Jahrhundert beim Bau der Fußballstadien für eine FIFA Veranstaltung wie Sklaven behandelt werden und dabei zahlreiche Todesfälle zu bedauern sind, der dürfte nie wieder Slogans wie „My game is Fair play“ oder „Say no to racism“ in den Mund nehmen.

Wirklich krank die Verdrehung von Wirklichkeit und Marketingkampagnen. Will der DFB raus aus der Slogan- und Floskel-Falle und authentische Führung beweisen, würde er – auch zur Sicherung des wertorientierten Fußballs – sagen, „ach wisst ihr was FIFA, uns ist es egal, ob die WM im Sommer oder Winter stattfindet, bei so einer Schande wollen wir gar nicht mitmachen.“

Aber wahrscheinlich sind auch hier Authentizität und Phantasie enge Gefährten.

Entscheidungen für Entscheidungsbücher

YES:

Decisive

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NO:

No

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für das „Decison Book“ brauchen wir nicht viele Zeilen zu verschwenden. Erstanden habe ich es in einer wachsenden amerikanischen Kette, in der sich 30 plus Menschen mit Kleidung jugendlich codieren. Unter den „hippen“ Büchern fand ich auch diesen zusammenkopierten und zusammenhangslosen Quatsch, in dem auf 159 Seiten alle Sozio- und Psychobusinessmodelle  vorgestellt werden. Von der Maslow Pyramide zu dem Flow Erlebnis zu dem Johari Fenster. Was das mit Entscheidungen zu tun hat, erschließt sich nicht immer. Meist nie.

Decisive – How to make better choices in Life and Work hingegen ist ein echter Knaller. Die Gebrüder Chip und Dan Heath beschreiben zunächst die vier Schurken des Entscheidens. Anhand von wirklich zahlreichenden und passenden Beispielen bringen sie uns auf unterhaltsame Art  „Narrow Framing“, „Confirmation Bias“, „Short-term emotions“ und „Overconfidence“ näher. Viele Bücher enden hier. Die Quintessenz ist dann oft: „Ja, ja so rational sind wir gar nicht! Unsere Entscheidungen sind total fehlerbehaftet.“ Doch hier fangen die Autoren erst an.

Zu jeden der vier Schurken gibt es ausreichend Gegenmittel, die wiederum durch passende Beispiele näher gebracht werden: Das richtige Anwenden des Advocati Diaboli, die Gong Show, die eigenen Optionen erweitern, Opportunitätskosten mitdenken, langfristige Konsequenzen von Entscheidungen in Betracht ziehen, Informationen, von denen holen, die sicherlich gegen eine solche Entscheidung wären, die Zukunft nicht als einen Punkt, sondern als Spanne denken und viele mehr.

Nebenbei erfährt man noch, warum  David Lee Roth in seinem Catering Rider eine Glasschüssel voller M&Ms wünscht, allerdings ohne die braunen und wie man innerhalb von fünf Jahren durch schlechte Entscheidungen 1,5 Milliarden Dollar verliert. Das Buch lohnt sich also.

Interview mit Dr. Bernd Seydel

Gerald Petersen und ich haben letzte Woche ein Seminar zum Thema Einflussverhalten in Saudi-Arabien durchgeführt. Unser Trainerkollege Dr. Bernd Seydel war dort schon mehrere Male und hat eine Reihe von Reiseeindrücken mitgebracht. Geduldig und kompetent hat er all unsere Fragen, die wir im Vorfeld auf das Seminar hatten, beantwortet. Vielen Dank dafür noch einmal.

Aber unsere Fragen sind bei Dr. Seydel lange nicht zu Ende. Zu viel wertvolles Wissen ist in ihm, das wir nun heben wollen. Als ausgewiesener Experte der Erwachsenenbildung, weiß er, wie Erwachsene lernen. Das interessiert uns auch:

Was ist Lernen überhaupt? Wie langfristig ist Lernen angelegt?

Lernen und leben sind eigentlich die gleiche Sache. Lernen ist keine Sonderveranstaltung, die noch zusätzlich zum Leben dazukommt. In einer Hinsicht bedeutet Lernen, sich an Veränderungen anzupassen. Komme ich in eine fremde Stadt, “lerne” ich die Straßen kennen und wie sie angeordnet sind. Wenn ich das nicht tue, finde ich nicht den Weg ins Hotel zurück. Dann muss ich für mein Nichtlernen bezahlen – zum Beispiel den Taxifahrer.

Lernen ist oft Umlernen, Neulernen. Wenn ich eine Stadt nur als Fußgänger kenne und dann plötzlich ein Auto steuere, werde ich feststellen, dass manche Wege nicht mehr zu benutzen sind, zum Beispiel weil sie für Autos zu schmal oder eine Einbahnstraße sind. Ich muss mich dann neu orientieren, also andere Wege nehmen, die ich dann erst einmal als “Umweg” erlebe. Dieses Prinzip gilt für geistige Wege genauso wie beispielsweise für Bewegungen. Jeder, der ein Musikinstrument lernt, kennt dieses Gefühl, dass die Finger sich nicht so bewegen, wie ich es eigentlich will. Sie tragen ein anderes Bewegungsmuster in sich, das wie in den Muskeln und Sehnen gespeichert zu sein scheint. Es sind “meine” Finger und irgendwie doch nicht. Lernen bedeutet dann, die alten Bewegungsmuster durch neue zu ersetzen oder zu ergänzen.

Und was ist dann Lernen in der Schule?

Im Prinzip nichts anderes. Fragt man Kinder, wie der elektrische Strom funktioniert, geben sie – wenn sie Phantasie haben – eine Antwort. Die mag erkenntnistechnisch nicht mit den Kenntnissen der Physiker übereinstimmen. Aber auch die müssen ständig umlernen. Die gegenwärtigen Forschungen zum Higgs-Teilchen zeigen, dass man fürchtete, das sogenannte Standardmodell aufgeben zu müssen. Wenn das der Fall wäre, müsste sich die Physik komplett neu organisieren. Alles Wissen über die Grundlagen der Materie wäre nur noch Scheinwissen. Für mich eine beruhigende Vorstellung.

Was sind die großen Unterschiede im Lernverhalten im Vergleich zu Kindern?

Eigentlich sollte schon die einfache Beobachtung von Kindern zeigen, dass in den verschiedenen Lebensabschnitten Lernen unterschiedlich funktioniert. Bis etwa zum 6. und 7. Lebensjahr lernen Kinder dadurch, dass sie durch andere, zum Beispiel die Eltern, Anregungen bekommen. Die Eltern führen die Kinder in Situationen, die ihnen neu und unbekannt sind. Außerdem lieben es Kinder, die Tätigkeiten ihrer Eltern nachzuspielen. Dabei kommt es nicht auf gleiche Materialien an. Ein Kind “kocht” etwas, indem es einen kleinen Bauklotz auf einen großen stellt: Fertig ist Herd und Topf.

Ab dem 7. Lebensjahr (ungefähr) lernen Kinder, sich mit von außen vorgegebenen Rahmenbedingungen auseinander zu setzen. Meist sind das die Schule und die organisierten Freizeitbeschäftigungen. Für Kinder ist die Eroberung von “Zeit” ein gewichtiger Entwicklungsschritt. “In einer Woche” bedeutet für ein Kleinkind gar nichts. Ein Schulkind muss in einer Woche eine Klassenarbeit schreiben und auf dieses Ereignis hin zum Beispiel lernen, sich also ein Wissen aneignen, das dann abfragbar wird.

Mit der Pubertät entdecken Kinder einen neuen Lernbereich: die Umgestaltung ihrer Umwelt. Was bis dahin mehr oder weniger als beständig erlebt wurde, steht plötzlich zur Disposition. Dazu gehören in erster Linie die Eltern. Sie machen plötzlich alles falsch. Und die Lehrer sowieso. Jetzt wird Lernen zu der Frage: Was hat das mit mir zu tun? Welche Rolle spielt das zu Lernende in meiner Biographie? Wofür brauche ich das? Warum soll ich das überhaupt lernen?

Im Laufe unseres Heranwachsens lernen wir immer wieder neu, nicht nur Neues. Erwachsene müssen häufig lernen, dass sie noch lernen können. Sie halten sich in gewisser Weise für “allwissend”, haben also für das meiste in ihrem Leben eine Erklärung gefunden, mit der sie sich zufriedengeben. Wenn dann ein Seminarleiter daherkommt und ein anderes Erklärungsmuster anbietet, dann ist das nicht nur schön, sondern allzu häufig eine massive Bedrohung.

Was muss man deshalb für Seminare für Erwachsenen beachten und was setzten Sie davon in Ihren Seminaren um?

Lernen für Erwachsene ist für mich grundsätzlich ein freiwilliger Vorgang. Ich kann meine Teilnehmer in einem Seminar einladen, sich auf bestimmte Dinge einzulassen. Ich versuche sehr bewusst, keinerlei Druck zu machen, diese Angebote anzunehmen. Es sind Angebote, die sie überprüfen können, wenn sie das mögen. Sie können sie aber auch gerne ablehnen, modifizieren usw. Daraus folgt, dass ich niemals Übungen oder Spiele mache, bei denen sich die Teilnehmer hereingelegt fühlen könnten. Ich weiß, dass manche Gruppenübungen das missachten. Ein bekanntes Spiel geht z.B. so: Zwei Partner bekommen einen Stadtplan und der eine soll dem anderen einen Weg beschreiben. Leider sind die Pläne nicht identisch, sondern der eine ist spiegelverkehrt oder irgendwie anders. Toll, oder?

Ich versuche, meine Teilnehmer niemals auszutricksen, hereinzulegen oder mit etwas zu konfrontieren, was sie nicht einschätzen können. Die Folge: das Vertrauen wächst, die Ängste verschwinden, Lernen wird möglich.

Probleme mit dieser Art von konfrontationslosem Lernen haben allerdings diejenigen Teilnehmer, die in ihrem eigenen Leben ständig zu tricksen und sich zu verstecken versuchen. Die mögen diese transparente Art des Umgangs nicht.

Wie schaffen es Erwachsene auch langfristig, nach einem Seminar neue Verhaltensweisen (Skills) anzuwenden?

Klare Antwort: Ich weiß es nicht. Ich kann mich nur selbst beim Lernen beobachten. Lernen ist ja kein Programmierprozess, den ich messen kann. Ich kann Lerninhalte abfragen und hoffen, dass diese Inhalte sich nicht mehr verflüchtigen. Aber in Wahrheit weiß jeder, dass dem nicht so ist. Lernen und Gelerntes unterliegen selbst wieder einer ständigen Veränderung. Selbst Erinnerungen verändern sich unbemerkt.

Über den Zusammenhang von lernen – vergessen – wiederholen/wieder-zurück-holen haben wir noch gar nicht gesprochen. Für das Lernen ist das Vergessen eine wichtige Bedingung.

Wenn wir Trainer es schaffen, dass unsere Teilnehmer uns vertrauen, dass wir sie nicht hereinlegen, dann haben diese eine große Chance, etwas für sich zu lernen. Das klingt idealistisch und etwas ungenau, aber damit kann ich leben.
Ansonsten wünsche ich mir, dass meine Teilnehmer nach dem Seminar Mut und Spaß haben, etwas auszuprobieren, etwas zu versuchen, etwas anders zu machen, als sie es bisher getan haben. Das wird nicht in allen Fällen geschehen. Manchmal müssen sie dann für Nichtlernen einen Preis zahlen – was nicht immer nur eine Taxifahrt ist.

Vielen Dank, Herr Dr. Seydel für die tollen Antworten.

Was Stefan Kuntz zu raten ist!

Das war die teuerste Saison aller Zeiten. 34,58 € musste ich mit meiner Dauerkarte pro Heimtor berappen. Eine Saison zum Vergessen. Während sich die einen in ihrem „Mia san mia“ selbstverliebt kreiseln, kriselt es gewaltig bei dem so schönen Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern.

Einher mit dem sportlichen Misserfolg eilt das Misstrauen in die Führung. Transfers werden wirtschaftlich und sportlich hinterfragt. Wie Posten vergeben werden und welche Spielerberater den Ton angeben, wird heiß in Internetforen und am Rande des Betzenbergs diskutiert. So heiß, dass die Führung – allen voran der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz und der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Dieter Rombach – zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 9. Mai geladen haben.

Was ist in dieser Situation und der Gemengelage an Misstrauen, Enttäuschung und Wut Stefan Kuntz aus kommunikationspsychologischer Sicht zu raten?

  1. Stefan Kuntz sollte die Verantwortung für die transparente Darstellung seiner Entscheidungen übernehmen. D. h. er darf nicht den Mitgliedern, die Schuld geben, Dinge falsch zu verstehen und verstehen zu wollen. Er ist verantwortlich dafür den Mitgliedern verständlich zu machen, warum man vor Beginn der Rückrunde glaubte, dass ein Yahia besser verteidigt als Amedick oder ein Wagner  mehr Tore schießt als Nemec.
  2. Stefan Kuntz sollte klarmachen, was er aus der Saison 2011/ 12 für sich gelernt hat und welche Konsequenzen er aus diesem Lernprozess für die Saison 2012/ 13 ableitet.
  3. Stefan Kuntz darf keine Schuld alten verdienten Weggefährten zuweisen. Natürlich gibt es viele Verantwortliche für einen Abstieg. Aber nun die Schuld derjenigen darzustellen, die nicht mehr beim Verein sind, zeigt keine Größe und vor allen Dingen ist dieses Verhalten nicht mehr änderbar, im Gegensatz zum eigenen.
  4. Stefan Kuntz muss ehrlich klar machen, dass er Verständnis für die aufgebrachte Volksseele hat. Das darf nicht im Sinne von „verstehe, aber…“ gehen, sondern „Meine Sicht der Dinge sind die, so wie ich verstehe, sehen Teile der Mitglieder die Dinge so, wie kommen wir zusammen?“
  5. Stefan Kuntz sollte eine Vision präsentieren und anhand dieser seine Entscheidungen erklären können. Was macht den FCK 2012/ 13 aus? Was für Charaktere stehen da auf den Platz? Welcher Fußball wird gespielt? Wie schaffe ich die Integration von Spielern?

Alles nicht einfach. Wir wünschen für die nächste Saison ein glücklicheres Händchen, Nachvollziehbarkeit, Zusammenhalt der Interessensgruppen des FCKs und vor allem billigere Heimtore. Bitte!

Gewohnheit im Wohnheim

Pregnant by Frank De Kleine (cc)Immer die Rittersport weiss + crisp und immer das Landliebe Jogurt und immer die Milch von den Bauern aus dem Breisgau. Immer wieder die gleiche Kaufentscheidung Samstag morgens im Supermarkt. Würde ich meine Entscheidungsprozesse verbalisieren, würde es aus mir selbstwerterhöhend plappern „Kauf ich immer, ist gut so, hab ich ja schon mal so entschieden, muss ja eine gute Entscheidung gewesen sein!“. Und tatsächlich schießt unser Belohnungssystem im Hirn vor Freude, wenn wir Dinge wiederholt machen und dadurch bahnen sich die Synapsen wieder verstärkend fest und fester, bis wir eingefahrene Gewohnheitstiere sind, gefangen in dem, was wir immer tun.

Charles Duhigg hat das Buch „The Power of Habit: Why we do what we do in Life and in Business“ geschrieben. Hier zitiert er Studien, die davon ausgehen, dass 45 % unserer Entscheidungen auf Gewohnheiten basieren. Die bewusste, durchdachte, reflektierte Entscheidung ist eher die Seltenheit. Der gewiefte Verkäufer weiß das – nicht zuletzt dank dem großen Haufen an Daten durch Payback und Deutschlandcard.

Und wer steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und im Fadenkreuz sämtlicher Marketinginitiativen? Die schwangere Frau und der co-schwangere Mann. Während der ersten Schwangerschaft beschäftigen sich die werdenden Eltern mit Marken, die sie vorher nur peripher wahrnahmen. Jetzt bilden sich neue Gewohnheiten und Loyalitäten zu Marken werden geprägt. Duhigg zitiert einen Statistiker der Handelskette Target:

„We knew that if we could identify them in their second trimester, there’s a good chance we could capture them for years. As soon as they are going to buy diapers from us, they’re going to start buying everything else.”

Also liebe Schwangere, jetzt ist die Zeit noch einmal, eine bewusste Entscheidung für oder gegen bestimmte Kinder Produkte zu treffen. Danach werdet Ihr die Produkte toll finden, weil Ihr doch keine falschen Entscheidungen trefft. Die Wahrnehmung wird sich so bahnen, dass das natürlich eh der beste Kinderwagen, das beste Baby-Bay, die beste Wickelkommode, die besten Windeln und eh der beste Baby-Brei sind. Strengt Euch an! Jetzt.

Tipps von David Allen

Der unermüdliche David Allen hat einen Artikel in der New York Times geschrieben: „Paralyzed by Excess of Options“. Hier beschreibt er das Paradoxon, dass immer mehr technologische Tools unsere Arbeit im Büro leichter machen sollen, aber diese nicht selten ein weiteres Steinchen Komplexität in unseren Arbeitsalltag bringen.

Wir haben keine angeborenen Fertigkeiten, wie wir die vielen Arbeitsoptionen und Komplexitäten kontrollieren, wie wir das richtige tun und wie wir echte Ergebnisse liefern. All das muss erlernt werden. Allen gibt uns Tipps:

• Erfasse alles was Dich beschäftigt schriftlich. Alles bedeutet alles, sei es aus dem privaten oder dem beruflichen Bereich. Ein Prozess, der bis zu sechs (!) Stunden dauern kann.
• Mache Dir klar, was die Punkte für Dich bedeuten, welche Bedürfnisse dahinter liegen, welche Ergebnisse Du mit diesen erreichen willst und welche Maßnahmen Du einleiten musst.
• Maßnahmen, die innerhalb von zwei Minuten erledigt werden können und wichtig sind, sollten unverzüglich durchgeführt werden.
• Sage „Nicht jetzt!“ zu Dingen, die weniger wichtig sind.
• Plane pro Woche ein zwei-stündiges Review Deiner Punkte. Bedürfnisse und Interessen ändern sich, wo müssen noch korrektive Maßnahmen eingeleitet werden und was habe ich aus den Augen verloren.

Der Über-Tipp ist „apply these practices with commitment“. Oder wie uns Paul Weller auf seiner neuen Platte in den Frühling singt: “Devotion is a key to the lock that holds your dreams”.

Rhapsody in Moll, ein Kommunikationsdesaster

Napster to go. Das war so schön. Alle Musik, die ich gerade in einschlägigen Musikmagazinen erlesen habe, übertrug ich legal auf meinen mp3 Player und konnte die neue Musik beim Joggen, Fahrradfahren und im Auto hören. Eine aktuelle, umfassende Auswahl an Musik. Selten, das ein Lied oder eine Platte nicht für diesen Dienst angeboten wurde.

Am 27. Januar erhielt ich eine Mail mit dem Betreff „Napster Deutschland wird Teil von Rhapsody!“

Hallo Napster-User,

Wir haben tolle Neuigkeiten für dich: Napster gehört jetzt zur Familie des amerikanischen Musikdienstes Rhapsody – und das bringt dir richtig Vorteile!

hieß es da. Euphorieverbreitend auch die weiteren Zeilen:

Du wirst deine Music-Flatrate unverändert weiter nutzen können aber künftig gibt es dazu einen noch besseren Service. Bis Mitte März werden wir die Napster-Plattform komplett neu überarbeiten (…)

Die Umstellung kam gestern und die tollen Neuigkeiten entpuppten sich als Service und Kommunikationsalptraum.

Dass der Service – nur noch ein Bruchteil meiner Lieder sind im Angebot enthalten- sich eingeschränkt hat „geschenkt“. Dies hier ist ja kein Blog von verzogenen Konsumenten, die immer mehr haben möchten und weniger zahlen wollen, sondern ein Blog über Kommunikation.

Das obige Mail wurde wohl noch von einer Marketing Agentur zusammengezimmert. Aber wie kommunizieren die neuen Eigentümer von Napster mit mir, dem Kunden, der ständig Fehlermeldungen erhält und keine Lieder auf seinen mp3 Player übertragen kann. Zunächst einmal gar nicht. Gestern ergab ein Anruf bei der Hotline eine Dauerschleife mit amerikanischen Genuschel (Seattle?) „The next representative of the company will take your call“. Waiting for the next representative that never comes.

Meine E-Mail Bitte, mir zu schreiben, wie ich napster-to go nutzen kann, wurde wie folgt beantwortet:

Liebe Jens,
So viel ich weiß, es ist nicht möglich Ihre Konto zu aufkündigen, wenn Sie Ihre Software deinstallieren.
Leider nachdem Relaunch auf Rhapsody besitzt Napster keine Streamingrechte.
Ich kann auch Ihnen empfehlen unsere neue Angebote zu testen, zum Beispiel Napster Music-Flatrate + Mobile für nur 12.95€.

Auch der Anruf heute war einfach totale Zeitverschwendung. Ein sehr verunsicherter Call (Super Special) Agent, der mehrere Minuten benötigte meine mit Namen-Alphabet buchstabierte E-Mail Adresse zu verstehen, antwortete nur noch in Floskeln:

Ich muss verifizieren.
Habe ich Sie richtig verstanden.
Ich habe nicht verstanden.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ich will für Sie Erkundigungen einholen.

Zwischenzeitlich dachte ich, ich rede mit einem Computer. Aber der Call Agent war ein netter Mensch, total überfordert ohne Informationen und Wissen ausgestattet. Unvorstellbar, dass er an diesem Tag irgendjemandem helfen konnte. Auf einmal aber im Marketing Support Graben von Napster / Rhapsody liegend und einen Anruf nach dem anderen von unzufriedenen Kunden entgegen nehmend mit dem Wissen, ich kann Euch nicht helfen und auch nicht so gut verstehen (i. S. von Sprachverständnis).

Was von allem übrig bleibt? Ich schaue und höre mir das Ganze noch zwei, drei Wochen an. Wenn sich nichts ändert, muss ich kündigen.

Was für ein Desaster für Rhapsody. Eben war ich noch total der Fan, jetzt fühlt sich das ganze wie ein schlechter Scherz an. Das Marketing Image von Rhapsody (All the music you want / Tolle Neuigkeiten / Vorteile) ist total sinnentleert. Gab es bei der Umstellung keine Consultants, die Euch gesagt haben, das Image Eurer Firma wird über die direkte Kommunikation Eurer Frontworker mit den Kunden geprägt?

Ich will wieder Musik und echte Menschen mit echtem Wissen. Marketing-Floskeln könnt Ihr Euch an den Hut stecken!

Weltfrauenkommunikation revisited

Heute am 8. März ist der Weltfrauentag. Lassen Sie uns da mal einen Blick auf die unterschiedliche Kommunikation der beiden Geschlechter werfen. Dabei hilft uns der ISQ-D, der Fragebogen zum Beeinflussungsverhalten. Er kategorisiert und misst 10 unterschiedliche Verhaltensweisen der Beeinflussung. gentineX hat die Unterschiede dieser Verhaltensweisen zwischen Frau und Mann untersucht.

Demnach hören Frauen signifikant häufiger aktiv zu und sind häufiger als Männer in der Lage, Informationen und Gefühle preiszugeben und dadurch eine Offenheit in Gesprächen herzustellen. Nicht nur dafür gratulieren wir heute.

Alle Frauen und Männer, die die Studie im Detail lesen wollen, seien auf den Link der competence-site verwiesen.

Businesstalk

Die Präse braucht einen Plausi-Check. Und smarte Ziele sind key. Denken Sie out of the box!

So klingt Businesstalk. Newbie oder Knowbie? Das ist die Frage. Damit Sie künftig mitreden können, gibt es jetzt das Buch “Bitte asapst mailden, sonst Bottleneck: Businesstalk – Das unverzichtbare Vokabular für jedes Büro“.

Das Buch sammelt die Begriffe des Business-Sprech, die als Businesstalk-Lexikon jeden Montag in der gedruckten Ausgabe der FTD erscheinen. In der Online-Ausgabe der FTD ist diese ständig erweiterte Liste als “Neues Futter für den Business-Talk” zu finden.

Die Erklärungen des Businesstalk-Vokabulars sind recht lustig, ironisch, mit einem guten Schuss Wahrheit, oft geradezu sarkastisch. Kostprobe:

kom|mu|ni|zie|ren, dt., 1. ursprüngl. sich verständigen, mitteilen; in Unternehmen wird generell nur kommuniziert, d. h. es wird gar nicht oder aneinander vorbeigesprochen. Wenn ein Fehler auftritt, wird alles noch einmal kommuniziert bzw. “besser kommuniziert”. Typische Wendungen: “Das nächste mal werde ich das früher k.”; “Ich dachte, ich hätte das klar k.”

Point taken! Da checke ich zeitnah meine Businesstalk Skills mit dem Test “Sprechen Sie Business?“. Bis nachher beim Get-together!

Kommunikationspsychologie und Jura – ein Interview mit Gero Schreiber

In letzter Zeit haben wir viel Kontakt zu Juristen. Das liegt zum Glück nicht daran, dass wir Rechtsstreitigkeiten haben, sondern viel besser, es sind unsere Kunden. Einerseits haben wir eine High-Performance Kanzlei in Sachen Kommunikationsstrukturen beraten, anderseits finden sich zurzeit viele Juristen in unseren Seminaren ein.

Schon seit langer Zeit beschäftigt mich, welche Potentiale in der Verbindung der Kommunikationspsychologie mit Jura liegen. Also wollte ich darüber mit einem Mann sprechen, der die Geschäftsfelder der Juristerei kennt.

In einem Seminar zu Thema „Positiv Beeinflussen“ traf ich Gero Schreiber. Er studierte Jura in Saarbrücken, Rennes und London, sein Referendariat absolvierte er am Oberlandesgericht Düsseldorf, arbeitete acht Jahre als Solicitor und Rechtsanwalt in internationalen Großkanzleien (davon fünf Jahre in London) und seit zwei Jahren ist er in der Rechtsabteilung eines multinationalen Großkonzerns.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit in der Rechtsabteilung eines Großkonzerns aus?

Wir beraten den Konzern in allen rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit Geschäftsabschlüssen, Vertragsgestaltung  und der Steuerung interner Prozesse. Ziel ist es, Rechtsverstöße auszuschließen und rechtlich relevante Vorgänge so zu gestalten, dass mögliche Gerichtsprozesse oder andere Rechtsstreitigkeiten von vornherein vermieden werden. Auch das Thema Compliance (also die Organisation und Strukturierung unternehmensinterner Abläufe in einer Weise, dass Rechtsverstöße unmöglich werden) spielt eine immer wichtigere Rolle.

In letzter Zeit scheint es so, dass es zwischen Juristen und Psychologen und deren Wissensfeldern ein größerer Austausch stattfindet. Wo sehen Sie das Potential der Soft Skill Entwicklung bei Juristen?

Juristen beherrschen die Sachverhaltsanalyse, das Subsumieren von Lebenssituationen unter Rechtstatbestände und das argumentative Darlegen eigener Ansichten. Vor dem Hintergrund jedoch, dass viele Juristen heutzutage nicht nur in der Rechtsberatung tätig sind, sondern häufig auch Management-Aufgaben übernehmen, reicht dies nicht aus. Es ist wichtig zu erkennen, dass es andere Wege gibt, eigene Positionen zu vermitteln, als das bloße Argumentieren. Hierzu gehören beispielsweise aktives Zuhören genauso wie das Entwickeln von Verständnis für andere Positionen. Das gelegentliche Eingeständnis eigener Fehler kann besser sein als stures Beharren auf der eigenen Position. Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen es zielführender ist, Gesprächspartner auf der emotionalen Ebene anzusprechen als das von Juristen gewöhnlich bevorzugte rationale Vorgehen. Hier können Juristen von Psychologen lernen, welche Herangehensweisen es für die Vermittlung eigener Positionen gibt und welche im Einzelfall die beste ist.

Oft kommt es auch nicht darauf an, die eigenen Maximalpositionen durchzusetzen. Wenn Geschäftsbeziehungen auf längere Sicht angelegt sind, ist es wichtig, dass bei bestimmten Vorgängen (z.B. Vertragsverhandlungen) alle Parteien zufrieden mit den Ergebnissen sind. Entscheidend ist es somit zu erkennen, welche Positionen für die eigene Partei wirklich wichtig sind, an welchen Stellen nachgegeben werden kann und wie es möglich ist zu einem Konsens – im besten Falle zu einer Win-Win Situation – zu kommen. Psychologen können Juristen darin unterstützen, sogenannte Tauschwerte zu erkennen bzw. zu schaffen, um ein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.

Sie selbst haben sich auf dem Gebiet der Soft Skills weiterentwickelt. Was waren für Sie Erkenntnisse und was haben Sie bei Ihrer Arbeit umgesetzt?

Meiner Meinung nach ist das Weiterentwickeln von Soft Skills für Juristen ebenso wichtig wie das Beherrschen von Fachwissen. Wer sich auf dem Gebiet Soft Skills unterrichten lässt, wird häufig feststellen, dass das Wissen darüber in der Theorie vielleicht vorhanden sein mag, in der praktischen Anwendung jedoch unzureichend ist. Gerade bei Kollegen, die schon viele Jahre ihren Beruf ausüben, stellt sich eine gewisse Betriebsblindheit für die eigenen Unzulänglichkeiten ein. Mir hat es sehr geholfen, in Seminaren eine professionelle Schulung auf diesem Gebiet zu bekommen. Teilweise wurden mir dabei sehr banale Fehler aufgezeigt. Ich stelle nun fest, dass das Umsetzen des Erlernten, unbewusst oder bewusst, fast täglich erfolgt.

Herr Schreiber, vielen Dank für das Gespräch.

Konflikte und Fußball [Wochenrückblick]

Der dritte Spieltag der Fußballbundesliga steht vor der Tür. Aber auch unter der Woche hat uns König Fußball wieder einige Brisanz und vor allen Dingen Konflikte, Konflikte, Konflikte geliefert.

Zunächst brüllte Oliver Kahn in dem Blog Fanorakel „Erfolg braucht echte Führungsspieler!“ und kritisierte die Spielergeneration Lahm / Schweinsteiger, dass sie oftmals nur Konsens und Anpassung suche und nicht den Mitspieler zu maximaler Erfolgsbereitschaft antreibe. Schnell hatte man den Eindruck, Kahn kümmert sich um sein eigenes Image und sorgt sich, dass sein Typ weniger in Medien und Vereinen gefragt sei, eingedenk des Debakels von Effenberg  bei Gladbach, ein schönes Pöstchen zu ergattern und eingedenk der selbst mit der Brille der Realsatire oberlangweiligen Blappergplätschers Kahns mit Frau Müller-Hohensteins im ZDF. Also stieß er die Debatte an, dass Deutschland echte Kerle (wie ihn) braucht, um internationale Titel zu gewinnen. Lahm war es zu Recht egal.

Die nächste Auseinandersetzung lieferte uns die Soundanlage der TSG Hoffenheim und die Fans des BVBs. Bei Schmähgesängen des Dortmunder Anhangs gegen Dietmar Hopp in der Rhein-Neckar Arena in Sinsheim setzte es laute Störgeräusche im Hochfrequenzbereich Richtung Gästeblock. Ein BVB Fan erstattet Strafanzeige wegen Körperverletzung. Die Polizei Heidelberg ermittelt. Der Kern dieses Konfliktes liegt wohl in der Fragestellung, welches Fußballmodell sich in der Bundesliga durchsetzen soll. Einerseits ist da der neue mäzenfinanzierte Verein, auf der anderen Seite die traditionsreichen Publikumsmagnete, „die Folklore abliefern“ (Watzke), damit das Spektakel für die VIP Lounge funktioniert.

Der dritte Konflikt dieser Woche handelt von einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Der selbsternannte „Special One“ und Trainer des Real Madrids José Mourinho steckt in der hitzigen Schlussphase des spanischen Supercups dem Assistentstrainer der gegnerischen Mannschaft des FC Barcelona seinen Finger in dessen Auge. Dass es dreimal Rot gab wurde da zur Nebensächlichkeit. Der Konflikt Barcelona und Madrid steigerte sich seit Amtsantritt Mourinhos in bisher noch nicht geahnte Höhen. Das Verhältnis zwischen den Spielern der beiden Mannschaften  ist mittlerweile so vergiftet, das das Gift mit in die so erfolgreiche Nationalmannschaft getragen wird. Das Image von Madrid, die sich die Königlichen nennen und mit blütenweißen Trikots antreten, hat sich gewandelt. Das Verhalten der Trainer und Spieler steht im Gegensatz zur Klubhymne, in der das Noble besungen wird und eben „auch in der Niederlage die Hand gereicht wird“. Nach dem Supercup gratulierte kein Spieler Reals dem siegreichen Barcelona.

Ist der Fußball nicht eine herrliche Ansammlung von Analogien. In nur einer Woche lernen wir so viel. Verletzte Eitelkeiten, unterschiedliche Werte, Newcomer gegen Platzhirsche, mangelnde Streicheleinheiten, Ramboverhalten. Kommt Ihnen das in Ihrem Arbeitsalltag bekannt vor? Bleibt uns mal wieder nur Albert Camus zu zitieren: „Denn auch wenn mir die Welt in all den Jahren einiges geboten hat, alles, was ich schließlich am sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball.“

Ich wünsche ein spannendes Fußballwochenende, bei dem die Konflikte 11 gegen 11 nach Regeln ausgetragen werden.




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