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Führungstalent mit Nancy Diesterweg

Frau Nancy Diesterweg arbeitet als Personalentwicklern im Bereich Führungskräfteentwicklung Vertrieb bei dem Finanzdienstleister MLP. Im Rahmen eines Weiterbildungsstudiums hat Sie ein neues Talent Management Konzept im Einklang mit der Organisationsstruktur und den Gegebenheiten im Unternehmen MLP entwickelt. Sehr „hands on“ mit hohen praktischen Nutzen. Keines dieser Konzepte, die gut auf dem Papier aussehen, aber ihr Dasein lediglich in der untersten Schublade fristen.

Was Frau Diesterweg genau gemacht hat, das wollte ich von ihr wissen und so traf ich mich zu einem kleinen Gespräch.

Was war die Ausgangslage bevor Ihr Konzept implementiert wurde?

Die Ausgangslage war, dass „Führungstalent“ bei der Auswahl zukünftiger MLP Geschäftsstellenleiter eine untergeordnete Rollte spielte. Primär entscheidend bei der Auswahl von Führungskräften war der vertriebliche Erfolg und die individuelle Einschätzung des zuständigen Bereichsvorstandes, wobei der Bereichsvorstand nicht die Linienführungskraft des Beraters ist.
Das neue Konzept erweitert den Fokus um die Dimension “Führungstalent”.

Wie sind Sie bei der Konzeptentwicklung vorgegangen?

Als methodisches Vorgehen wurde der Funktionszyklus von Prof. Dr.
Manfred Becker verwendet. Bedarfsanalyse, Ziele setzen, Kreatives Gestalten, Durchführung, Erfolgskontrolle und Transfersicherung sind die Phasen systematischer Personalentwicklung im Funktionszyklus. Der Funktionszyklus ist damit ein in den einzelnen Phasen aufeinander abgestimmtes Verfahren zur Planung, Realisierung, Steuerung und Kontrolle konkreter Personalentwicklungsmaßnahmen. Im ersten Teil, der Bedarfsanalyse, wurden die gestellten Anforderungen, die Adressaten und die Ursachen analysiert.
Der zweite Teil war das „Ziele setzen“. In diesem Teil wurde der Bedarf konkretisiert und die Reichweite definiert. Im dritten Teil des Funktionszyklus ging es um das kreative Gestalten. Damit ist vor allem das Planen von Inhalten, Methoden, Zeitressourcen und Personen gemeint. Bei der Durchführung, dem vierten Teil, ging es um die Planungs- und anforderungsgerechte Umsetzung von Maßnahmen. Die Erfolgskontrolle war der fünfte Teil und in ihm wurde dargestellt wie der Erfolg der durchgeführten Maßnahmen geprüft werden kann. Im sechsten Teil, der Transfersicherung, ging es darum die Veränderungen optimal in der Arbeitspraxis umzusetzen. Weil der Funktionszyklus ein immer wiederkehrender Prozess ist, geht der Teil Transfersicherung wieder in die Bedarfsanalyse über. Der Kreislauf wird erneut durchlaufen. Damit wird sichergestellt, dass sich das Talent Managementkonzept auch in Zukunft an veränderte Bedarfe und Ziele des Unternehmens MLP anpasst.

Was ist der realisierte Nutzen Ihres Konzeptes?

Durch die Implementierung des Konzeptes werden unsere Führungstalente wenige Wochen nach ihrer Einstellung im Unternehmen sichtbar. Wir können sie frühzeitig fördern und auf ihre Führungsaufgabe vorbereiten.

Gibt es eine Möglichkeit mehr Informationen zu Ihrem Konzept zu erhalten?
Wenn ja, wo?

Gerne tausche ich mich mit Interessierten über mein Xing-Profil aus. Weil die Arbeit interne Informationen zum Unternehmen MLP beinhaltet, ist sie leider nicht öffentlich zugänglich.

Reden zwei Alphatiere übereinander…

Ganz schön amüsant diese schwäbischen und niederländischen Bayern. Da sagt der eine am Sonntag über den anderen in der Öffentlichkeit, dass es schwierig sei mit dem anderen zu reden, weil er Meinungen von anderen – also von ihm – nicht akzeptiert. Daraufhin ist der Gemeinte wiederum „enttäuscht“, „sehr enttäuscht“. Das sagt er auch der Öffentlichkeit in einer one-man Presseschau. Die Medien freuen sich wie Bolle und walzen den Konflikt der beiden Alphatierchen in Specials – wie auf Sky – oder in den einschlägigen Fachmagazinen aus.

Das ist ja auch spannend. Da treffen zwei aufeinander, fast gleich alt, beide wollen Erfolg, beide sind es gewohnt, dass man macht, was sie sagen und beide sind davon überzeugt, dass sie 1A Kommunikatoren sind. Dies sagt van Gaal noch einmal ausdrücklich in seiner Pressekonferenz:

Ich bin sehr enttäuscht, sehr enttäuscht, dass mein Präsident so etwas sagt über mich. Weil ich denke, dass Kommunikation eine meiner besten Qualitäten ist.

Man fragt sich, warum reden sie dann nicht einfach miteinander? Verhindern Eitelkeiten und Stolz und Bewahrungsbedarf des Selbstwertes wirklich offene direkte Kommunikation? Ist es angebracht, Meinungsverschiedenheiten in der Öffentlichkeit auszutragen? Ist es nicht auch ein Mangel an kommunikativen Fertigkeiten einfach zu sagen, er akzeptiert meine Meinung nicht und ich versuche es erst auch gar nicht anders und setze Reizpunkte außerhalb eines 4-Augengespräches? Oder ist es gar eine Führungsqualität von Uli  Hoeneß zu wissen, wann solche Reizpunkte zu setzen sind („Wenn man sich nur in den Armen liegt, wird man nicht Deutscher Meister“)? Es ist hier wohl beides. Hoeneß versteht es tatsächlich Debatten zu beginnen, Dampf zu machen und im richtigen Moment zu provozieren.

Fragt sich nur, ob dies seiner neuen Rolle als Präsident entspricht. Vielleicht war ihm da etwas langweilig und er hat einfach mal wieder Lust, einen kerzengerade rauszuhauen, so wie er dass schon so viele Male gemacht hat als Manager in der Abteilung Attacke.

Und gut, dass diese amüsanten Bayern noch einen weiteren ganz Großen in ihren Reihen wissen. Franz Beckenbauer, der uns in letzter Zeit des Öfteren zum Schmunzeln brachte, mit ausschweifenden Antworten auf Reporterfragen, nur um dann – sehr viel später – zu schließen: „Eh, wie war die Frage?“. Jedenfalls dieser Franz Beckenbauer sagte auch etwas Lustiges zu Hoeneß und van Gaal. Auf die Frage von Kerner gestern vor dem Champions Leauge Spiel bei Sat 1, ob er nicht geschmunzelt habe, dass gerade Hoeneß, der Beckenbauer häufig kritisierte, wenn dieser sich als Präsident in das Tagesgeschäft eingemischt habe, sich doch nun so vehement einmischt. Beckenbauer reckte in voller Vorfreude das Mikrophon zu seinem Mund und meinte: Ich habe laut gelacht. Das fand er selbst so lustig, dass er das gleich noch mal bei Sky (allerdings nicht mehr so pointiert) zum Besten gab.

Insights for Search


Hobbysozialwissenschaftler aller Welt vereinigt Euch und zwar auf der Seite Google Insights for Search. Hier kann man „Sehen, wonach die Welt sucht“ und daraus interessante Thesen ableiten. Google stellt seine seit dem Jahr 2004 gesammelten Daten zur Verfügung. Man kann diese Daten zeitlich und räumlich filtern und Häufigkeiten unterschiedlicher Suchbegriffe entlang der Zeitachse vergleichen.

Nicht nur für Marketingabteilungen der Konzerne ein schönes Instrumentarium, um zu schauen, wie die Suchanfragen vor und nach Kampagnen zu- und abgenommen haben, auch Ökonomen erfreuen sich daran Zusammenhänge mittels der google Daten zu finden. Geben vermehrt Menschen „Jobsuche“, „Stellenmarkt“ oder „Arbeitsamt“ ein, könnte dies ein Indikator für unsichere Jobs und für ein zukünftiges Steigen der Arbeitslosenzahlen sein.

Die Immobilienmarktentwicklung in einem Bundesland lässt sich ebenfalls untersuchen. Man kann ja mal schauen, was dabei herauskommt, wenn die Suchbegriffe Hauskauf, Hausfinanzierung und Immobiliengesuche nach Häufigkeit miteinander verglichen werden. Einzelhändler können die Eingabe der Marken ihrer Produkte vergleichen. Und das herunter gebrochen bis auf die Stadt, in der der Einzelhandel seinem Geschäft nachgeht. Er kann lernen, welche Produkte vermehrt nachgesucht werden und demnach sein Lager einrichten. Geben Suchende die Begriffe „Schluckbeschwerden“, „Schüttelfrost“ oder „Kopfweh“ stark vermehrt an einem bestimmten Ort ein, können wir davon ausgehen, dass es dort bald eine Grippewelle gibt.

Wir wünschen viel Spaß beim Auffinden weiterer interessanter Zusammenhänge.

Konflikt 21

Konflikte gibt es allerorten. Manchmal auch da, wo gebaut wird, ob ein Maschendrahtzaun im sächsischen Auerbach oder ein Bahnhof im schwäbischen Stuttgart. Die Konfliktentwicklung folgt dabei erstaunlich häufig einem bestimmten Muster, das Friedrich Glasl in seiner  Konflikteskalation beschreibt. Innerhalb von 9 Stufen schafft es der Konflikt von noch harmlosen Spannungen und Verhärtungen der Positionen (Stufe 1) zu dem gemeinsamen Abgrund (Stufe 9).

Stufe 1 Verhärtung und Spannungen: Am 3.02. Februar dieses Jahres meldet die Süddeutsche Zeitung, dass “Kritiker des Projekts glauben, dass Stuttgart 21 und die Schnellbahnstrecke viel teurer werden als behauptet.” Rechnungen über Mehrkosten werden angestellt und Gegner des Projektes legen ein kostengünstigeres Gegenkonzept vor. Die Befürworter argumentieren, dass sich die Fahrzeit Innenstadt Flughafen von 27 auf 8 Minuten reduziert, die Fahrzeit Stuttgart Ulm von 54 auf 28 Minuten reduziert. Die Diskussion basiert noch auf Fakten, die eigenen Standpunkte werden verhärtet, die eigene Flexibilität der Sichtweisen ist allerdings bereits eingeschränkt.

Stufe 2 Polarisation und Debatte: Die Worte werden schärfer. „Bei Abriss Aufstand“ hört man auf der einen Seite, auf der anderen kündigt die Bahn den Abriss des Nordflügels bereits für August an.

Stufe 3 Taten statt Worte: Am 26. August besetzen Gegner den Nordflügel. Diese werden wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

Stufe 4 Koalitionen: Diese Stufe verlief im Falle von Stuttgart 21 parallel zu den ersten drei Stufen. Eine Allianz von Gegnern aus Grünen, dem BUND, Architekten und Verkehrsplanern hat das Gegenkonzept Kopfbahnhof 21 vorgelegt. Mehrere Gruppen finden sich zusammen und rufen zu Montagsdemonstrationen gegen Stuttgart 21 auf.

Stufe 5 Demaskierung und Gesichtsverlust: Jetzt geht’s so richtig los! Bei Stufe 5 wird das Denken mehr und mehr abgeschaltet. Stellt man sich die Stufen als Treppe in den Abgrund vor, werden die Stufen kleiner, rutschiger, gefährlicher. Der anderen Seite werden Unredlichkeit, und schlechte Einstellungen und Motive unterstellt. Sich selbst betrachtet man als Wahrer von Werten. Die eigenen Motive sind redlich. Man selbst ist klüger, realistischer und flexibler als die anderen. Hier verstärken sich die psychologischen Mechanismen von Groupthink (mangelnde Objektivität für andere Meinungen, Konformitätsdruck und selektive Wahrnehmung). Natürlich freut es auch unseren Selbstwert, wenn wir so schlau sind und die Gegner so dumm.

Im Falle von Stuttgart 21 ist ja einiges auf dieser Stufe passiert: Die Gegner seien fortschrittsfeindliche Querulanten, Radaubrüder, die sonst nichts zu tun haben oder kriminelle Autonome. Und die Befürworter? Die machen doch nur krumme Geschäfte. Warum wird das denn immer alles teurer? Welche Lobbyisten verdienen denn da noch mit?

Stufe 6 Bedrohung und Stufe 7 Begrenzte Schläge: Die Eskalation mündet in Gewalt. Tatort Schlossgarten. Polizei und Demonstranten geraten aneinander. Laut offiziellen Angaben sind 130 Menschen verletzt, laut Sprechern der Gegner 400.

Die letzten beiden Stufen 8 und 9 Zersplitterung und gemeinsamer Abgrund sind noch nicht erreicht. Das Überschreiten der letzten Stufe wäre, wenn beide Parteien Ihr Ziel nicht erreichen. Wenn es beiden Parteien wichtiger wird, dass der andere vernichtet wird als das man seine eigenen Ziele erreicht. Also in unserem Falle kein Bahnhof und kein Geld für niemanden. Wir hoffen natürlich, dass die Schwaben cleverer sind und deeskalieren.

Eine Deeskalation würde bedeuten wieder auf die erste Stufe zu kommen und wieder miteinander zu reden. Hilfe zum miteinander Reden verspricht der Schlichter Heiner Geißler. Er will, dass alle Argumente, Fakten, Zahlen und Einschätzungen auf den Tisch kommen. Weg von Unterstellungen hin zu sachlogischen Debatten. Wir sind gespannt, wie es weitergeht mit „de schwäbsche Eisebohne”.

TeamCheck Interview

schulwitzBernhard Schulwitz, ausgezeichnet als Fachberater des Jahres durch die Audi AG hat ein Tool entwickelt, das in der Teamentwicklung wertvolle Unterstützung bietet; den TeamCheck. Wir treffen ihn und informieren uns über die Möglichkeiten und die Grenzen des onlinebasierten Instrumentes.

Herr Schulwitz, TeamCheck; was ist das und was soll es bringen?

Der TeamCheck ist ein Analyse- und Messinstrument, welches sehr zielgenau misst, wo ein Team steht und wohin es sich im Laufe der Zusammenarbeit entwickelt. Von daher wird dieses Tool zum Start von Teamentwicklungsprozessen verwendet, um einen schnellen Einstieg in die relevanten Themen zu finden.
Im weiteren Verlauf misst das Tool, ob die gewünschte Entwicklung tatsächlich eintritt. Hierdurch werden zwei Ziele erreicht:
1.)     Die für alle Verbesserungsprozesse unerlässliche Erfolgsmessung findet statt.
2.)     Die einzelnen Mitglieder eines Teams übernehmen selbst deutlich mehr Verantwortung für die Professionalisierung ihres Teams.

Stellen Sie sich beispielsweise ein Team vor, das besser werden möchte, sich aber uneins darüber ist, welche Themen Priorität haben. Der TeamCheck hilft dabei, die Felder aufzudecken, an denen gearbeitet werden muss. Das spart Zeit, schafft Transparenz und beteiligt alle an der Meinungsbildung.

Was passiert dann?

Dann geht es darum, an diesen Themen zu arbeiten. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es Kontinuität braucht, um gute Fortschritte zu erzielen. Wenn dies gewährleistet ist, also einmal jährlich ein oder zwei Tage in die Entwicklung des Teams investiert werden, kann der TeamCheck wichtige Impulse setzen.

Das Ganze funktioniert in folgenden Schritten:
1)    Ein Team möchte seine Zusammenarbeit und Leistung verbessern, also professioneller werden.
2)    Mittels TeamCheck beurteilt jedes Teammitglied das gesamte Team nach bestimmten Kriterien. Das dauert 10 – 15 Minuten und kann überall durchgeführt werden, wo Zugang zum Internet besteht. Es macht Sinn, dies in einer ruhigen Minute abseits des Arbeitsgeschehens zu tun.
3)    Die Ergebnisse werden verdichtet und dem Team präsentiert. Der Ergebnisbericht, der im ganzen Team besprochen wird, enthält Stärken, Entwicklungsfelder und Empfehlungen zu „Prio-Themen“.

Ein weiterer Vorteil: Das Tool ist schnell und bezieht alle mit ein. Die einzelnen Items sind sehr pragmatisch formuliert, damit jeder sofort etwas damit anfangen kann.

Wie ist der Fragebogen aufgebaut?

Die aktuelle Version enthält 23 Items; eingeteilt in 7 Kategorien. Die Kategorien beinhalten alle wichtigen Facetten die Einfluss auf die Qualität eines Teams haben; z.B. Leistung, Stimmung, die wahrgenommene Art der Zusammenarbeit usw.
Auch der Aspekt Führung wird berücksichtigt; darauf liegt aber nicht der Fokus. Das Team konzentriert sich auf die Themen, die es selbst verbessern kann.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Der Klassiker ist das intensive Feedback; also das persönliche Kennenlernen der einzelnen Teammitglieder, um das Vertrauen ineinander zu verbessern. Ein anderes Themenfeld ist beispielsweise mangelnde Effektivität, wenn es keinen gemeinsamen Standard für bestimmte Prozesse gibt. Für ein Autohaus-Serviceteam haben wir z.B. einen einheitlichen Standard für den Erstkontakt mit Kunden erarbeitet. Dieser wird nun gelebt und in regelmäßigen Review-Runden überprüft, um zu sehen, ob er sich bewährt hat.

Wie häufig setzen Sie den TeamCheck ein?

Seit dem Jahr 2000 setze ich in Entwicklungsprozessen verschiedene Mess- und Analysetools ein; den Vorläufer des jetzigen TeamChecks gibt es seit 2004. Etwa 50% der Teams, mit denen ich arbeite, nutzen diese bewährte Form der Unterstützung.

Inwieweit berücksichtigen Sie die individuelle Situation, in der sich ein Team befindet?

Für manche Teams ist es wichtig, eigene Items zu integrieren oder vorhandene zu ändern. Das ist abhängig von der vorliegenden Teamsituation und wird von mir im Vorgespräch angesprochen und mit dem Team abgestimmt.
Manchmal werden auch sehr spezifische Items für bestimmte Teams formuliert und in den Fragebogen aufgenommen. Jedes Team kann seinen eigenen TeamCheck konfigurieren.

Haben wir etwas Wichtiges vergessen?

Spaß an der Arbeit haben, Leistung erzielen und sich immer wieder darauf konzentrieren, besser zu werden. Das halte ich unerlässlich für jedes Team. In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Kontakt zu Bernhard Schulwitz über www.schulwitz-consulting.de

Interview mit Gerriet Danz

gerriet_portrait1Das Buch Neu Präsentieren haben wir hier bereits vorgestellt. Jetzt sagt der Autor Gerriet Danz in unserem Interview selbst ein paar Takte dazu:

Herr Danz, in Ihrem Buch wenden Sie die Methoden der Werbung auf Präsentationen an. Was können die Präsentatoren damit verbessern?

In Präsentationen erlebt man oft, dass zwar in aller Ausführlichkeit informiert wird, aber nicht überzeugt. Argumente, Produkteigenschaften werden übermittelt, aber nicht verkauft. Da geht es eher um ein Thema, als um eine Botschaft. Wenn man sich auf die Werbung an sich und ihre Methoden besinnt, dann gerät man automatisch in einen anderen Modus. Man kann fast sagen, da wird ein Schalter umgelegt. Und urplötzlich wird nicht mehr nur sachlich gesendet, sondern inspiriert, motiviert, verkauft – eben: Um die Gunst des Publikums „geworben“. Der Vergleich Richtung Werbung und die Übertragung von Techniken aus Werbekampagnen sind also eine Art Navi, das Sie automatisch dorthin führt. Wie ein Werbemensch sollte sich auch ein Präsentator vorher sehr genau überlegen, wer seine Zielgruppe ist, welchen Nutzen das Publikum durch die Präsentation hat, und was das Angebot besonders und einzigartig macht.

Welche der Werbemethoden ist die, die den schnellsten positiven Effekt erzielen kann und warum?

Das kann man so generell nicht sagen – das kommt erstens auf das individuelle Ziel an, das jede Präsentation in unterschiedlicher Form hat. Und natürlich auch auf den Präsentator selbst, zu dem die eine Technik vielleicht besser passt als eine andere. Aber klar ist eines: Immer dann, wenn ein Bild in den Köpfen der Menschen produziert wird, wird dort Aufmerksamkeit erzeugt. Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass das Erzählen von Geschichten für magische Momente und eine hohe Aufmerksamkeit im Raum sorgt. Und wenn diese Stories dann auch noch zum Beispiel mit dreidimensionalen Objekten unterstützt werden, die Sie hochhalten, dann ist das gleichermaßen ein Hingucker und Hinhörer.

Sie haben die KREATORIK© entwickelt. Können Sie uns kurz darstellen, was das ist?

Die KREATORIK© ist eine Kreativitätstechnik. Bestimmt kennen Sie das Brainstorming – das ist die wohl häufig genutzte Kreativitätstechnik von über 100 erforschten – und übrigens schon 80 Jahre alt. Bei jeder dieser Techniken geht es darum, das Hirn zu reizen, damit es querdenken kann, über den Tellerrand hinaus, um auf neue Ideen zu kommen. Beim Brainstorming funktioniert das so, dass ein Teammitglied etwas äußert, was bei mir eine Assoziationskette auslöst. Also sagen wir mal, sie haben eine Idee mit einem Blumenstrauß und das Wort „Strauß“ reizt mein Hirn zu einer Idee mit einer „Straußen“-Farm in Australien. Die KREATORIK© ist auch eine Kreativitätstechnik – allerdings ausschließlich für Präsentatoren. Das heißt, sie versetzt Sie in die Lage, kreative Präsentationsideen zu entwickeln, die sie in Ihrem Vortrag nutzen können. Der Reiz hierbei wird durch eine Fragetechnik ausgelöst. Das heißt, ich frage mich etwas oder hinterfrage etwas – und löse damit in meinem Hirn einen Antwortreflex aus und – peng – habe ich eine Idee. Das ist extrem einfach zu lernen und sehr leicht anwendbar, was mir die Teilnehmer meiner Seminare immer wieder bestätigen.

Welche Idee aus Ihrem Buch gefällt Ihnen am Besten?

In meinem Buch habe ich 30 Präsentationsideen zu den wichtigsten Businessideen aufgeschrieben – so, dass Sie sie gleich nutzen können, aber auch als Beispiele für kreatives Präsentieren. Meine Lieblingsideen haben immer mit Interaktion zu tun, ich beteilige die Menschen also am Vortrag. Denn das ist eine supersichere Sache, um ein Publikum bei Laune zu halten. Wenn es zum Beispiel um das Thema Kreativität geht, könnten Sie so vorgehen: Bitten Sie einige Zuschauer, einmal das Jackett auszuziehen. Dann bitten Sie sie, ihre Jacken wieder anzuziehen – allerdings anders als sonst. Die meisten Menschen werden zunächst in den rechten Ärmel schlüpfen, dann in den linken. Wenn man dies anders herum macht, ist das ein ganz seltsames, ungewohntes Gefühl. Der Link zum Thema ist, dass ein Innovator Dinge komplett anders machen muss, als er oder sie das bisher getan hat. Das fühlt sich vielleicht ungewohnt hat, eröffnet aber neue Wege und bildet neue Nervenbahnen im Hirn. Der Vorteil bei dieser interaktiven Form ist, dass das Publikum nicht einfach nur hört, was ich meine. Sondern es selbst erlebt – extrem überzeugend!

Was können Präsentatoren noch über das Buch hinaus in Ihren Seminaren erleben und erlernen?

Ein Buch ist ein Buch. Ein Seminar ist ein Seminar. Das Buch inspiriert, bringt sie auf neue Gedanken und kann sogar – so die Meinung vieler Leser – Glaubenssätze in Sachen Präsentieren ändern. Aber das macht sie noch nicht zu einem besseren Präsentator. In meinen Seminaren wird dies praktisch umgesetzt, ausprobiert. Jeder findet dabei seinen eigenen Weg. Nicht jede kreative Idee muss automatisch zu Ihnen passen. Weder ich bin Gottschalk, noch sind Sie Jauch. Wir beide müssen und sollten authentisch bleiben – und dabei hilft die KREATORIK als Methode und das Seminar als Trainingscamp.

Vielen Dank für Ihre Antworten.

Neu Präsentieren

Neu PräsentierenEin ganz anderes Präsentationsratgeberbuch will er schreiben der Gerriet Danz, eines das anders ist wie die zig tausend Besserwisserbücher, die uns mit Schriftgrößen auf PowerPoint Folien langweilen. Wird er seinem Anspruch mit dem beim Campus-Verlag erschienen „Neu Präsentieren“  gerecht? Absolut!

Und warum? Sein Dreh ist die Erkenntnisse und Methoden der Werbung für Präsentationen einzusetzen. Das darf er machen, da er als Kreativdirektor für eine internationale Werbeagentur gearbeitet hat. Und er macht das in einem so informativen Plauderton, dass es eine wahre Freude ist das Buch zu lesen. Das Buch spricht!

Methoden und Ideen zur sofortigen Verbesserung einer Präsentation gibt es zu Hauf. Die „Nutzen-Brücken“ ist so ein Beispiel. Nicht nur ein Argument an das nächste reihen, sondern auch den direkten Nutzen für die Zuhörer darstellen. Vier Worte reichen dafür aus: „Für Sie bedeutet das…“. Der USP-Generator ist eine andere Idee, die über das Schmunzeln hinaus echten Nutzen bietet. Für Sie bedeutet das, die Einzigartigkeit Ihrer Idee, Ihres Produktes oder Ihrer Firma direkt als Kernbotschaft bei den Zuhörern zu verankern.

Die Werbung kämpft den Kampf um Aufmerksamkeit bereits länger als die Präsentatoren dieser Welt. Sie weiß, was sie machen muss, um Botschaften so zu transportieren, dass sie erinnerbar bleiben. Gerriet Danz weiß das auch und zeigt ganz echt auf, wie wir das machen können. Lassen Sie sich von diesem Buch inspirieren. Es hat die Kraft dazu.

Gibt es etwas zu kritisieren? Ja, das muss ich wohl. Auch damit meine Meinung hier differenzierter erscheint. Die ewige Mär von der linken und rechten Gehirnhälfte hat auch Einzug in das sonst so schlaue Buch gefunden. Wenn man den Wikipediabeitrag zu dem Hemisphärenmodell übersetzt, dann heißt das, dass eine regionale Zuweisung von Funktionen zu Gehirnteilen in der plakativen Form nicht möglich ist.
Also lassen Sie sich mit Ihrem ganzen Hirn von diesem Buch verwöhnen!

iPhone Modell 1977

Eine sehr schöne Szene der Filmgeschichte stammt aus dem Film Der Stadtneurotiker vom Jahr 1977. Alvy Singer alias Woody Allen wartet in der Kinoschlange mit Diane Keaton. Hinter ihm ein Besserwisser-Schwall eines Dozenten der Columbia University über den Philosophen Marshall McLuhan. Davon genervt, kommt Singer in einen Disput mit dem Mann in der Schlange:

Man in Theatre Line: It just so happens I teach a class at Columbia called “TV, Media and Culture.” So I think my insights into Mr. McLuhan, well, have a great deal of validity!

Alvy Singer: Oh, do ya? Well, that’s funny, because I happen to have Mr. McLuhan right here, so, so, yeah, just let me… [pulls McLuhan out from behind a nearby poster]… Come over here for a second… tell him!

Marshall McLuhan: I heard what you were saying! You know nothing of my work!…How you got to teach a course in anything is totally amazing!

Alvy Singer: Boy, if life were only like this!

33 Jahre später ist das Leben ein wenig so. Wir können zwar nicht echte Personen herbeizaubern, die als Zeugen für unsere Meinungen und Aussagen auftreten, aber das Smartphone und sämtliche Apps werden als Mittel gegen Besserwisserei eingesetzt. Sämtliche Stammtischstreitigkeiten werden jetzt jäh beendet: „Wenn ich Dir es sage, die Schande von Gijón endete 0 zu 0!“ – „Hm, ok Du bringst das mit einem unglaublichen Verve vor, so dass man Dir schon glauben könnte, aber lass erst mal sehen, was Wikipanion dazu sagt […] Ah, da steht, dass Horst Hrubesch den einzigen Treffer in der 11. Minute erzielte und Deutschland mit 1 zu 0 gewann…“

Ist das „Gewusst-wie-ich-suchen-muss“ im Smartphone ein eigener Skill oder macht uns die intuitive Führung durch die Minicomputer alles so leicht, dass Menschen hier keine unterschiedliche Fähigkeit entwickeln. Ist es dann das Ausmaß des Interesses an unnützen und nutzvollen Wissen, dass das ausgelagerte Gedächtnis mehr oder weniger beansprucht? Wird unser outgesourcestes Gedächtnis veröden?

Ein Skill wird bleiben. Wie setze ich die stets verfügbaren Informationen zusammen und entwickle daraus neue Gedanken. Es sei denn der Gedanke ist schon irgendwo geposted. Gleich mal nachschauen…

Videolink (Adobe Flash Player erforderlich)

Manipulationswissen

zeit-wissenDeutschland Radio hat sein neues Vollprogramm DRadio Wissen, die Süddeutsche und Die Zeit haben jeweils eine Zeitschriften Wissen auf den Markt gebracht und Wissenssendungen im Fernsehen sind omnipräsent. Wissen, Wissen, Wissen!

Die Juni/ Juli 2010 Ausgabe von Zeit Wissen widmet sich dem Thema „Manipulation“. Die Autorin Sigrid Neudecker begleitet eine vierköpfige Familie durch den Tag. Vom Frühstück um 7:30 bis spätabendlichen Einkauf im Internet um 22:30.

Solche und ähnliche Erkenntnisse aus der Manipulations- und Beeinflussungsliteratur werden entlang des Tagesablaufs gelistet:
•    Geschworene lassen sich doppelt so häufig von einem Sachverständigen überzeugen, wenn dieser missverständliche Fachsprache benutzt, anstatt Sachverhalte klar und verständlich zu erklären
•    Fleisch in Fleischtheken von Supermärkten wird mit rötlichen Licht beleuchtet, um das Fleisch frischer aussehen zu lassen
•    Unsere eigene Körperhaltung hat eine Auswirkung auf unser Verhalten. In einem Mathematiktest schnitten die Probanden signifikant besser ab, die vorher 3 Minuten bewusst aufrecht saßen. Diejenigen die vorher lümmeln mussten, schnitten schlechter ab
•    Wir fahren 20 Stundenkilometer langsamer auf Kopfsteinpflaster als auf normalen Straßen

Das ist sehr nett zu lesen. Auch wenn man das ein oder andere schon gehört hat, da  es aus der Perspektive unseres Alltages beleuchtet wird, wird eine  höhere Ich-Involviertheit erzeugt, was wiederum zu einem größeren Lesevergnügen führt.

Interessant ist allerdings die Vermengung der Begriffe von Manipulation und Beeinflussung. Wir müssen unterscheiden zwischen dem manipulativen, also dem verdeckten Vorgehen bei dem die Selbstbestimmtheit des anderen umgangen werden soll und der Beeinflussung, bei dem die Selbstbestimmung des anderen respektiert wird. Mein Kollege Gerald Petersen hat hier die Begriffe definiert.

Ab wann dann ein Einwirken manipulativ wird, entscheidet der Adressat. So entscheidet er auch, ab wann er sich hintergangen fühlt und ab wann ein Abwehrverhalten ausgelöst wird, bei der der Manipulationsversuch nach hinten losgeht.

Manipulation ist kurzfristig und wenig persönlichkeitsfördernd. Im Untertitel steht immer der traurige Versuch „Ich will cleverer sein als Du!” Manipulation ist das Fast Food des psychologischen Einwirkungsverhaltens. Ein gutes sättigendes 3-Gänge Menü hingegen ist, wenn ich es auf offene und faire Art und Weise erreiche, mein Gegenüber so zu beeinflussen, dass dessen Selbstbestimmtheit bewahrt bleibt.

Kommunikation rund um die Weltmeisterschaft

„Wo sind meine Experten?“ fragt Peter Großmann unterwegs mit dem Morgenmagazin durch Südafrika. Gerald Asamoah und Nia Künzer kommen angewackelt und werden befragt, wie das Spiel gestern war („knapp“, „stand auf der Kippe“, „hätte auch anders laufen können“) und wie das Spiel gegen die Engländer wohl wird („schwer“, „ein Klassiker“, „viel Brisanz“). Allerweltsfragen und Allerweltantworten von Allerweltsexperten. Schaltet man auf n-tv um, sieht man den ewigen Calli Calmund (zigtausend fache Selbstbeschreibung „ein positiv Bekloppter“), wie er sagt, dass das Spiel gegen England schwer wird, aber ja auch ein Klassiker sei und alles passieren kann. Olli Kahn wird das sicherlich heute auch noch mal sagen. Vielleicht rudert er wieder mit dem rechten Unterarm und setzt nach einem „da musst Du…“ mit jedem Ruderer noch ein „…in die Zweikämpfe gehen“, ein „…beißen“, ein „…Gras fressen“, ein „…von der Körpersprache ausstrahlen, ich will gewinnen“ dahinter. Herr Delling und Herr Netzer werden sich in ihren Ruhestand frotzeln, vor der Kamera siezen und dahinter duzen. Wirklich lustig ist Mehmet Scholl. Er versucht nicht krampfhaft den Experten zu mimen, sondern lässt viel seiner ureigenen Emotionen (weigert sich Worte über Diego Milito zu verlieren und klickt ihn auf dem Touchscreen sofort wieder weg) und Gedanken („warum hat Kapitanos nicht die Binde bekommen, als er eingewechselt wurde?“) zu.

Und wie ist so die Außendarstellung von Mannschaften und Trainer. Da geht ja auch einiges drunter und drüber. Muss man da noch einmal die Franzosen erwähnen? Anelkas Verbalentgleisung, die bekannt wird, Cliquenbildungen, Trainingsstreik und -streit, Rücktritt des Teamdirektors, Einschaltung der Politik und Taktikbesprechungen ohne den Trainer. Auch bei Ghana sollte ein Spieler nach Hause geschickt werden. Die Mannschaft setzte sich angeblich für Muntari ein, so dass er noch im weiteren Tunierverlauf eingewechselt werden kann. Der ehemalige Kapitän der Engländer John Terry möchte unbedingt, dass Joe Cole spielt, macht einen Putschversuch gegen den Trainer Capello und entschuldigt sich kleinlaut. Bleibt zu hoffen, dass sich Terry nicht Frau Capello nähert.

Nur unsere Jungs sind so brav. Da rastet keiner aus. Haben die nicht das Buch „Anpfiff“ von Toni Schuhmacher (ein weiterer Morgenmagazinexperte) gelesen. Darin gibt es tolle Hinweise, wie man im WM-Lager die Nacht zum Tage machen kann. Aber kann man sich Philipp Lahm vorstellen, wie er sich betrinkt und ausbückst und moralisch verwerfliche Dummheiten macht. Mal sehen, ob es der DFB-Tross weiterhin versteht, ein Bild der deutschen Spieler zu transportieren, die alle manierlich und trotzdem selbstbewusst sind. Gegen England drücken wir natürlich besonders die Daumen. Das ist nämlich ein Klassiker und schwer wird es auch!

Interview mit Dr. Burkhard Bensmann

bb2Das hervorragende Buch „Die Kunst der Selbstführung“ von Burkhard Bensmann haben wir ja hier bereits ausführlich gelobt. Jetzt hatte ich die Möglichkeit, dem Autoren einige Fragen zu stellen.
Was war für Sie die spannendste Erkenntnis, die Sie während der 61 Interviews gewonnen haben?

Um den Titel „spannendste Erkenntnis“ konkurrieren drei Begegnungen: die entspannte Situation im Garten des Goethe Instituts in Rom bei dem Gespräch mit der Leiterin, Susanne Höhn: Erkenntnis, dass ich gedeihliche Bedingungen – auch klimatisch! – brauche, um meine Fähigkeiten zu entfalten; Gespräche mit dem ehemaligen Leiter der Berliner Festspiele, Ulrich Eckhardt: eine Vision zu haben oder die Gelegenheiten, die das Leben bietet, zu nutzen, reicht nicht: ich brauche die kombinatorische Phantasie, die beides nutzbringend verbindet; die Begegnung mit dem Seniormanager Albert Hawighorst: er hat mir als bescheidener lebenslanger Lernender aufgezeigt, wie wir uns auch jenseits der Sechzig immer wieder neu entwickeln können.

Setzen Sie Ihr Modell (“Sieben Felder der Selbstführung“) in der Praxis ein? Wenn ja wo und mit welchem Erfolg?

Ja, vor allem in drei Feldern: Coachings von Top-Führungskräften und Seminare – und in der Lehre. In Coachings zur Analyse (wo genau ist das Problem), zur Förderung der Selbstanalyse mithilfe der Fragebögen aus dem Buch, welches insgesamt als Vertiefungsliteratur für die Klienten dient. In Seminaren (z.B. mit Unternehmern der EDEKA-Gruppe) zum mehrtägigen intensiven Training – die Sieben Felder geben die zentrale Orientierung. Und ich setze es in meinen Veranstaltung als Lehrender an der Hochschule ein, zum Teil ergänzt durch Vortragsaufzeichnungen.

Was sollte jemand machen, der sich dazu entschieden hat, seine Selbstführung zu verbessern?

Insgesamt: systematisch vorgehen (it is easy to get lost): gute Bücher, z.B. „Durchstarten zum Traumjob“ von Richard Nelson Bolles durcharbeiten; geeignete persönliche Unterstützung (Seminare, professionelle Beratung) suchen; eigenes Support Team aufbauen (wie man das macht zeigt z.B. Keith Ferrazzi).

Sie schreiben an einem neuen Buch. Worum geht es diesmal? Gibt es einen vergleichbaren spannenden Prozess der Bucherstellung?

Wieder das Thema Selbstführung, eine Art Fortsetzung. Dieses Mal liegt der Fokus auf den Aspekt des Entrepreneurships: was macht einen „unternehmerischen“ Menschen aus? Welche Rolle spielt das im Kontext von Selbstführung?
Im Buch baue ich auf meinem Modell der Sieben Felder der Selbstführung auf, stelle aber ausführlicher besondere Entrepreneure vor, die aus meiner Sicht besonders vorbildlich sind und meines Erachtens auch als Rollenmodelle studiert werden können (bisher interviewt: die Hamburger Galeristin Vera Munro; der Autobauer Friedhelm Wiesmann; der Hifi-Anlagenbauer Dieter Burmester). Ergänzt werden diese Portraits durch Interviews mit Deutschen im Ausland (z.B. Leiter von Goethe Instituten in Bangkok und Sydney, der SIEMENS Australien-Chef…) – ich frage sie nach dem Blick auf Deutschland von außen: was macht Unternehmergeist bei uns aus?
Es ist wieder sehr spannend, mit diesem selbst gewählten Auftrag durch die Welt zu reisen und mit Menschen zu kommunizieren (meine Mission…).

Warum haben Sie das Buch geschrieben, was wollten Sie damit erreichen und inwieweit haben Sie dies bisher mit dem Buch erreicht?

Es klingt vielleicht seltsam, aber ich hatte das Empfinden, dass das Buch geschrieben werden wollte, ich bin ein „Durchlauferhitzer“, der alles in eine Struktur und zu Papier gebracht hat. Dem Buch liegen viele Ideen zugrunde, es sollte u.a. ein Rechercheprojekt zum Thema Führung der eigenen Person sein – basierend auf intensiven, direkten Gesprächen. Und es lag für mich ein besonderer Reiz darin, erfolgreiche Leute direkt zu kontakten und damit kennen zu lernen. Weiterhin wollte ich – in meiner Teilrolle als Wissenschaftler – feststellen, ob es ein Muster oder Modell für Selbstführung geben kann. Und tatsächlich konnte ich eine praktische Zusammenfassung wesentlicher Aspekte ableiten: mein Modell der Sieben Seiten der Selbstführung. Wie ich aus dem bisherigen Feedback auch aus der Fachpresse erkennen kann, ist das Modell tatsächlich umfassend, schlüssig und praxisrelevant.
Habe ich meine Ziele erreicht? Ja, unbedingt – und mehr: ich habe faszinierende Leute kennengelernt, konnte meine Arbeit als Coach und Vortragender erneuern, und habe insgesamt einen neuen Fokus für meine praxisbezogene Forschung gefunden – Selbstführung als anhaltendes Projekt.
Ich bin allen Unterstützer sehr dankbar.

Und ich bedanke mich für Ihre Antworten.

Lernen

Sieht man in ein vorbeifahrendes Fahrschulauto, sieht man meist einen vor Konzentration verkrampft das Lenkrad erwürgenden Fahrschüler. Würden wir ihm nun in diesem Augenblick auftragen auch noch den richtigen Radiosender einzustellen, die Zieladresse ins Navigationsgerät einzutragen, zu telefonieren oder eine CD zu wechseln, dann wäre der Gute vollends überfordert und ein abgewürgter Motor wäre noch die harmloseste Konsequenz.

Dass er dies alles ohne Probleme in drei Monaten gleichzeitig kann, ist eine fantastische Einrichtung der Mutter Natur und nennt sich Automatisierung. Für eine neue Fertigkeit (Beispiel Autofahren), für die wir noch beim Erlernen ganz viel Aufmerksamkeitskapazität gebraucht haben, brauchen wir später beim Können dieser Fertigkeit nur noch einen Bruchteil davon und wir können uns auf anderes konzentrieren. Alles war schwer bevor es einfach war.

Nur gut für den Fahrschüler, dass er sich in diese doch zunächst unangenehme Situation bringt, in der er von beistehenden Passanten belächelt wird, wenn er vor Aufregung mit Handbremse anfährt und das Auto nach vorne springt und nicht rollt. Das unangenehme Gefühl der Nichtkontrolle verursacht Schweißperlen auf der Stirn, Denkblockaden und Gereiztheit oder Ohnmacht. Kein schöner Moment!

Das ist der Moment, in dem klar wird, ich muss etwas lernen. Es gibt da etwas, dass ich können muss, um mich nicht mehr wie ein Dreijähriger zu fühlen. Beim Aneignen von Kommunikationsfertigkeiten ist der Bedarf nicht immer so offensichtlich. Vielmehr kann man in diesem Bereich, die unangenehmen Situationen umschiffen, in denen Defizite transparent werden. Ich reduziere meine Umwelt auf Situationen, in denen ich mit seit Jahren erprobten Verhalten bestehen kann. Hoffentlich geht dieses erprobte Verhalten über die 25 Businessfloskeln hinaus, die Michael Scott in „The Office“ anwendet. Alle anderen Situationen sind ja auch ein „tough cookie!

Darüber hinaus sind bei der Kommunikation zwei Personen beteiligt. Im Zweifelsfall hat ein Kommunikationsprozess nicht funktioniert, weil der andere nicht zugehört bzw. weil der andere es nicht richtig erklärt hat. Je nachdem, ob man selbst gerade Sender oder Empfänger ist. Die Eindeutigkeit des Selbstnichtkönnens wie beim Erlernen von Autofahren liegt nicht vor. Erklärungsversuche, warum man trotzdem ein toller Kommunikator ist, liegen schnell auf der Hand und reduzieren den selbstempfundenen Bedarf nach besserer Kommunikation.

Es gibt also genügend Wege nicht selbst in die Fahrschüler Unsicherheit und Unsouveränität zu kommen. Ein solches Verhalten reduziert die Wahrscheinlichkeit, neue kommunikative Verhaltensweisen zu erlernen. Gute Soft Skills Semianre müssen hier Inspirationsräume – natürlich auch ohne Gefühl der Unzulänglichkeit – aufbauen, in denen sich die Teilnehmer wiederfinden und motiviert werden. Gute Seminare schaffen es eine Lernatmosphäre zu kreieren, die mit dem Titel von Paul Smith’s tollen Buch beschrieben werden kann: You Can Find Inspiration in Everything: And If You Can’t, Look Again.

Ein Motto, das für unser lebenslanges Lernen ohnehin gelten sollte, damit wir uns auch weiterentwickeln ohne ständig in Situationen zu sein, auf denen uns die Schweißperlen auf der Stirn stehen.

e-Interview mit Anna-Kathrin Janousek

anna-kathrin-janousekBlended Learning, E-Learning und Web Based Training sind für die meisten großen Unternehmen längst Standard im Weiterbildungsalltag. Das Web2.0, die Generationen der Digital Natives, Schlagworte wie Partizipation und kooperatives und kollaboratives Arbeiten dringen weiter in die Arbeitswelt hinein und verändern diese kontinuierlich. Frau Anna-Kathrin Janousek arbeitet in der Personalentwicklung der Compass Group Deutschland GmbH und studiert berufsbegleitend online an der Universität Duisburg Essen den Masterstudiengang Educational Media. Mit anderen Worten: Die ideale Gesprächspartnerin, wenn es um den Einsatz von E-Learning und Partizipation der Mitarbeiter in Unternehmen geht.

Was hat Sie bewogen Educational Media zu studieren?

Meine Entscheidung für das Online-Studienprogramm am Institut für Mediendidaktik und Wissensmanagement der Universität Duisburg-Essen war im vergangenen Oktober eine spontane Bauchentscheidung. Am 28. habe ich das Programm im Internet entdeckt, am folgenden Tag die Anmeldung versendet und am 30. ging es schon los mit einer zweitägigen Auftaktveranstaltung in Duisburg. Da habe ich meine Kommilitonen kennengelernt, mit denen ich nun mehrmals in der Woche via Skype, Videokonferenz, Chat oder im Forum kommuniziere.

Hierbei sind die Studieninhalten zum Großteil gleichzeitig die Studienwerkzeuge. Wir lernen damit sozusagen direkt am Objekt alles von der Konzeption bis zur Implementierung von E-Learning Szenarien und beschäftigen uns mit didaktischen, technischen und umsetzungsrelevanten Inhalten. In dieser Woche geht es in meinem Wahlpflichtfach E-Moderation zum Beispiel um Konflikte in Online-Projektgruppen und praktische Lösungsansätze. Eine tolle Betreuung durch Fach- und Gruppentutoren sowie Ortsunabhängigkeit und berufsbegleitende Organisation machen das Studium für mich spannend und realisierbar – auch nach einem vollen Arbeitstag.

Wo sehen Sie in Zukunft Einsatzmöglichkeiten für E-Learning in der Personalentwicklung?

In der Einsparung von Zeit – heute einem der wertvollsten Güter – sehe ich den größten Nutzen von E-Learning. Am eigenen Leib erfahre ich, wie angenehm es ist, sich nach einem anstrengenden Tag nicht noch einmal aufraffen zu müssen, sondern gemütlich vom heimischen Esszimmertisch aus mit den Mitstudierenden zu sprechen – mit der Maus in der einen und einer Tasse Tee in der anderen Hand. Übertragen auf den Unternehmenskontext lassen sich hier neben Reisekosten vor allem Zeit und Energie sparen.
Somit sehe ich künftige Möglichkeiten für E-Learning in der Personalentwicklung vor allem im „Zwischendurch“. Die wenigsten Arbeitnehmer – geschweige denn Führungskräfte und Topmanager – können und wollen es sich leisten, zu einem ganz- oder sogar mehrtätigen Training in einem Seminarraum zu verschwinden. Online-Vernetzung, Best-Practice-Foren und Wissenshäppchen auf dem Smartphone und der persönlichen Intranet-Startseite bieten „on demand und ganz individuell“ die Kenntnisse, die genau jetzt gebraucht werden.
Wissenszyklen werden kürzer, auswendig lernen ist out – mal kurz bei Wikipedia nachlesen oder googlen ist in. Ich sehe eine große Herausforderung darin, das gewonnene Wissen zu bündeln und so aktiv Wissensmanagement zu betreiben.

Zur Wissensvermittlung könnte ich mir zum Beispiel unternehmensinterne BarCamps oder Science Slam Sessions vorstellen, in denen Mitarbeiter für Mitarbeiter Inhalte präsentieren und diskutieren. Der Mitarbeiter von heute möchte an jedem Monatsende Gehaltsschecks bekommen und er möchte die 20 Arbeitstage zwischen den Schecks nicht abarbeiten, sondern gestalten und partizipieren. Im web2.0 lassen sich Inhalte leicht durch Mitarbeiter produzieren – mit dreifachem Effekt:
•    der Produzent bekommt die Möglichkeit, sein Wissen weiterzugeben und damit Anerkennung und Wertschätzung,
•    der Lernende profitiert von maßgeschneiderten und praxisnahen Inhalten durch einen Kollegen,
•    das Unternehmen fördert Motivation, den internen Dialog und die Streuung von Wissen. Außerdem lassen sich inhaltliche Änderungen ohne externe Kosten zeitnah bearbeiten.
Darüber hinaus werden die Digital Natives, die mit youtube, iphone, podcasts und twitter aufgewachsen sind und in den nächsten Jahren auf den Arbeitsmarkt strömen, solche Möglichkeiten im Rahmen von Personalentwicklung sicherlich von ihren Arbeitgebern erwarten.

Welche Medien setzen Sie bei Ihnen im Unternehmen ein? Und mit welcher Zielsetzung?

Unser Unternehmen ist als Dienstleister für Food- und Support-Services in Bezug auf E-Learning noch in den Kinderschuhen. Ein Learning Management System ist in Planung, mit dem wir im ersten Schritt vor allem Trainings zum Allgemeinen Gleichstellungsgesetz, zu Hygienethemen und Arbeitssicherheit abdecken wollen. Im Rahmen unseres Management Traineeprogramms haben wir angefangen, ein konzerninternes Wiki aufzubauen, welches künftig als eine Art Stichwortverzeichnis vor allem für unternehmensspezifisches Vokabular genutzt werden kann.
International werden einige Schulungen über Web Based Training bearbeitet und der Roll-out von unserem neuen Management Instrument wurde auf Betriebsebene durch interaktive Trainings eingerahmt von Onlinevorbereitung, -Tests und Forenaktivitäten in einem Blended Learning-Konzept umgesetzt.

Frau Janousek, vielen Dank für Ihre Antworten.

Die Kunst der Selbstführung

41y7rcmxuzl_sl210_Die Kunst der Selbstführung“ von Burkhard Bensmann zeigt uns das State-of-the Art Know-How im Bereich Selbstführung auf.

Bensmann hat von Januar 2008 bis Januar 2009 61 ca. 90-minütige teilstandardisierte Interviews mit Führungskräften geführt. Unter anderem gaben der langjährige dm-drogerie markt Geschäftsführer Götz Werner, die Chefredakteurin von brand eins Gabriele Fischer und der CEO des Siemens Sektors Mobility Dr. Hans-Jörg Grundmann Auskunft über ihre Selbstführung.

Die Erkenntnisse der Interviews fasst der Autor in ein Modell zusammen: Die Sieben Felder der Selbstführung. Im einzelnen sind die Felder (1) Vision & Mission, (2) Körper, Seele, Geist, (3) Fähigkeiten & Selbstentwicklung, (4) Partner, Mitarbeiter & Netzwerk, (5) Prozesse & Strukturen, (6) Projekte & Produkte und (7) Mehrwert. Die einzelnen Felder werden ausführlich beschrieben und mit dem Wissen der Interviews vertieft.

Bensmann betont selbst, dass die Erkenntnisse und die Methodik, mit der die Erkenntnisse über Selbstführung gewonnen wurden, nicht der empirischen Überprüfung standhalten. Vielmehr deutet er die Antworten und setzt sie mit seinem Erfahrungswissen – Bensmann ist Organisationsberater und Coach – in ein praxisrelevantes Modell. Aber allein der Wert der 61 Interviews macht dieses Buch und das darin dargestellte Modell der Selbstführung um ein so vielfaches wertvoller als ein weiteres zusammenkopiertes Buch über Selbstführung ohne Bezug und Systematik.

Das Buch lässt sich auch lesen, wie ein spannender Bericht eines großen Projektes. Wie entdecke  ich die Perlen der Erkenntnis der Selbstführung und bringe das auch noch in einen praxisrelevanten Bezug. Die Verbindung zwischen systematischem Erkenntnisgewinn und Praxis gelingt.

Bei allen tollen Inhalten ist das Buch auch noch hervorragend aufgemacht und strukturiert. Ein echtes Lesevergnügen.

A Great Marketing Action Show for Decisions

10-10-10Die dritte und damit aktuelle Ehefrau von Jack Welch hat ein Buch über Entscheidungen geschrieben. Das Buch nennt sich „10 – 10 – 10“ und soll uns anleiten, wie wir Menschen am besten  Entscheidungen treffen. Für jede Entscheidung sollen wir uns überlegen, was sind die Konsequenzen meiner Entscheidung für die nächsten 10 Minuten, für die nächsten 10 Monate und für die nächsten 10 Jahre. Da es die Amerikaner gerne etwas übertreiben, ist das natürlich nicht nur irgendein Buch und irgendeine Idee, sondern wie der amerikanische Subtitel aussagt: „A life transforming idea!“

Wer nun ein Buch über Entscheidungsprozesse erwartet, der wird enttäuscht sein und sollte sich besser den Artikel “Das Geheimnis der guten Wahl” von Harald Willenbrock durchlesen. Wer aber wissen will, wie Suzy Welch die Werberommel für ihre kleine, aber feine Idee rührt und dabei so auf die Pauke haut, dass der liebe Jack ganz gerührt vor dem Unternehmergeist der Gattin ist, der kann einiges lernen.

Über 250 Seiten erzählt uns Suzy Welch über Menschen, die durch das tiefe echte Anwenden von „10 – 10 -10“ ihr Leben verändert haben. Geschäfts- und Liebesleben dieser Personen gehen mehr ab als die GE-Aktie jemals. Glück und werteorientiertes Leben scheinen garantiert. Aus allen Lebenslagen kommen Bekannte und Bekannte von Bekannten von Suzy Welch, die ihr Leben nun dank 10 – 10 – 10 im Griff haben. Sie treffen stets die richtige Entscheidung. Ab Seite 150 wünscht man sich allerdings keine neuen Beispiele von Personen, die erfolgreich 10 – 10 – 10 angewendet haben, sondern man würde auch mal gerne erfahren, ob die Idee noch mehr Substanz bietet, als die Überlegung, dass man sich der Konsequenzen seiner Entscheidungen in 3 Zeiteinheiten bewusst sein sollte.

Wirklich beeindruckend ist mit welchem missionarischen Eifer die Autorin ihre Idee vertritt, wie sie Mythen um ihre Eingebung dieser Idee baut und wie sie in ihrem Buch einen Zeugen nach dem anderen für ihre Idee auftreten lässt. Das ist echtes Life Transforming Marketing, von denen wir Europäer noch einiges lernen können.




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